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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2015
Rettet diese Welt!
Die Umwelt-Enzyklika: Papst Franziskus und sein politischer Sonnengesang
Der Inhalt:

Alle raus!

vom 26.06.2015
Kolumne von Anne Lemhöfer:

Natürlich ist gut, künstlich ist schlecht. Das wissen die Leute in der Stadt. Deshalb gibt es auf den Spielplätzen der Bionade-Viertel für den blauen Fleck am Knie keine Gummibärchen mehr, sondern Arnika-Globuli. Eigentlich sollten wir auch nicht bei Karstadt eine Rolltreppe hochfahren, sondern mindestens den Karwendel besteigen: Zumindest signalisieren das die Outdoor-Jacken in sonderbaren Farben am Körper der Fußgängerzonenwanderer. Eigentlich müssen wir mal raus. Eigentlich gehören wir nicht an die Tastatur, sondern ans Lagerfeuer.

Aber wie funktioniert das – rausgehen? Was muss man da für Schuhe anziehen? Gibt’s in diesem »Draußen« Handy-Empfang? Und wenn es regnet? Denn eins ist ja ziemlich ärgerlich: Das »Draußen« piekst. Und ist feucht. Dagegen muss man etwas tun. Und dabei am besten noch gut aussehen. Aus der Haustür (»outdoor«) treten, Kapuze auf, wie Kindergartenkinder am »Waldtag«? Viel zu einfach. Gut, dass es neuerdings die schöne neue Zeitschrift »Walden« gibt. Da steht alles drin übers Draußensein im dritten Jahrtausend.

»Walden« passt wunderbar in die Zeit. Man muss nur mal aus dem Bürofenster in der Frankfurter Innenstadt schauen. Vollbart, Karohemd, Holzfällerhose: Der Waldschrat-Stil erobert gut sichtbar die Städte. Am Wochenende laufen auf meiner Facebook-Seite schon länger verlässlich Bilder von jenseits des U-Bahn-Netzes ein. Bilder, mit denen Freunde stolz beweisen, dass sie das Schlichte genießen können – ein Kletterpfad, ein gefundener Pilz, eine Picknickdecke im Sonnenuntergang.

Auch du, suggerieren die »Walden«-Macher, könntest jetzt vor einem Zelt sitzen und dabei eine Jacke aus gewalkter Wolle tragen, statt im Anzug im Büro zu hocken. Andererseits: Irgendwo muss das Geld für den beworbenen 300-Euro-Klappstuhl ja herkommen. Auch eine schöne Jacke des britischen Outdoor-Schneiders Nigel Cabourn verschlingt schließlich gerne mal tausend Euro.

Neu ist: Das Draußen wandert nach Drinnen – und das Drinnen nach Draußen. Handgeschmiedete Äxte von Best Made Company finden sich nicht nur in den Händen von Hobby-Holzfällern, sondern auch als Accessoire in urbanen Wohnungseinrichtungen. Dem neuen Ich-muss-mal-wohin-fahren-Gefühl haftet etwas seltsam Schizophrenes an. Einerseits ist da der Überdruss am Über

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