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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2015
Rettet diese Welt!
Die Umwelt-Enzyklika: Papst Franziskus und sein politischer Sonnengesang
Der Inhalt:

Klüger werden wir später

von Britta Baas vom 26.06.2015
Ein Kirchentag will Zeitansage sein. Doch dieser Kirchentag ließ wenig Raum für radikale Anfragen an die Zeichen der Zeit. Wo ist der protestierende Protestantismus geblieben? In Stuttgart wurde er ausgebootet

Früher, als Teenager, war man genervt, wenn die Oma sagte: »Früher war alles besser.« Und früher wusste man auch ziemlich genau, dass das gar nicht stimmte. So was konnten nur Leute sagen, die das Heute nicht richtig verstanden. Alte Leute eben. Leute von gestern.

Über die Jahre wird man gnädiger. Vor allem aber stellt man fest, dass sie nicht immer unrecht haben, die Älteren. Kirchentage zum Beispiel waren früher manchmal besser. In den 1970er- und 1980er-Jahren demonstrierten dort Menschen für Frieden und Abrüstung, für mehr Umweltschutz und für eine politische Kirche. Eine Resolution jagte die nächste, und auf den Titelseiten der Tages- und Wochenzeitungen prangten Kommentare zu den Forderungen, die von den großen Christentreffen kamen. Da machten Leute eine Zeitansage. Und die Gesellschaft sperrte die Ohren auf.

Der Sprung ins Jahr 2015 ernüchtert. Schon vor dem Kirchentag in Stuttgart hatten die Medien sich wenig gekümmert um das, was da kommen würde. In der Frankfurter Rundschau schrieb zum Beispiel Dirk Pilz, der Kirchentag möge bitte keine Botschaften für die ganze Welt bereithalten wollen. Die Losung »… damit wir klug werden«, entnommen dem Psalm 90, sei ja schön: »Aber eine Klugheit, die aus dem christlichen Glauben erwächst, ist keine Klugheit für alle und überall. Klug ist deshalb ein Kirchentag, der sich in Bescheidenheit übt: Player für alle und in allen Fragen kann er nicht sein.«

Die angeratene Bescheidenheit nahm sich der Kirchentag zu Herzen. Anders als der Papst, der vor wenigen Tagen eine Umwelt-Enzyklika veröffentlichte, die die Politik herausfordert, setzte die Kirchentagsleitung auf abwägende Debatten und blieb der Haltung verpflichtet: »Es ist alles nicht so einfach.« Oder, um den Kirchentagspräsidenten und Pharma-Unternehmenslenker Andreas Barner zu zitieren: »Die Welt ist nicht mit einfachen Regelungen sofort zu verbessern.«

Überraschend und Mut machend war es, dass dennoch zehn Resolutionen verabschiedet wurden. Sie zeigten, dass es Kirchentagsbesucher gab, die sich sehr wohl in der Lage sahen, Regelungen zu fordern, mit denen die Welt verbessert werden soll. So wurde Innenminister Thomas de Maizière in Stuttgart die Resolution »Sichere Fluchtwege nach Europa« übergeben, die am Tag zuvor in einer Veranstaltung zu Migration und Menschenrechten verabschiedet worden war. Weitere Resolutio

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