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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2015
Rettet diese Welt!
Die Umwelt-Enzyklika: Papst Franziskus und sein politischer Sonnengesang
Der Inhalt:

Die Basis gibt den Ton an

von Bettina Röder vom 26.06.2015
Ein Friedenszentrum gab es erstmals beim offiziellen Kirchentag nicht. Initiativen von unten haben es dennoch organisiert

Jan Stehn hatte ein richtig gutes Angebot: eine sichere Stelle als Altenpfleger. Die schlug der Familienvater kurzerhand aus. Die Organisation des Friedenszentrums auf dem Kirchentag, um die er gebeten worden war, war ihm wichtiger.

Das war vor gut sechs Monaten. »Ich komme aus der Anti-AKW-Bewegung, beim Friedensthema schlägt mein Herz«, sagt der 57-Jährige, der auch Trainer für Kommunikation, Mediation und Gewaltfreiheit ist. Einen kleinen Laptop und das Handy, mehr brauchte er nicht, um von seiner Wohnung in Caputh bei Potsdam aus alles vorzubereiten. Nun sitzt er glücklich, aber auch ein wenig erschöpft auf einer der langen Bänke unter den alten Kastanien im Hof der Evangelischen Friedensgemeinde auf dem Stuttgarter Kirchentag. »Bis zuletzt haben wir gezittert, ob überhaupt jemand kommt«, sagt der engagierte Mann mit den blonden langen Haaren und freut sich über den Andrang, das Kommen und Gehen hier.

Das war nicht vorauszusehen. Denn das Friedenszentrum tauchte im offiziellen Kirchentagsprogramm nicht auf. Genauer: Es gab gar keins. Seit Jahrzehnten zum ersten Mal hatten es die Macher des Christentreffens abgelehnt, ein solches Zentrum zu organisieren. Anderes war offenbar wichtiger. »Das Friedensthema kommt ja schließlich als Querschnittsthema vor, da braucht es ein eigenes Zentrum nicht«, hatte Ellen Ueberschär, die Generalsekretärin, erklärt. Um das Friedensthema werde man sich schon kümmern.

Zehn deutsche Friedensorganisationen von Ohne Rüstung leben bis hin zum Versöhnungsbund, aber auch die Arbeitsstelle der Evangelischen Kirche in Baden und das Pfarramt für Friedensarbeit in der württembergischen Landeskirche sahen das anders. »Sehr schnell wurde klar: Wenn wir das Zentrum wollen, dann müssen wir das selbst machen«, sagt Jan Stehn. Weil Krisen und Kriege die politische Tagesordnung wie selten zuvor bestimmten, sei man sich einig gewesen, die Stimmen der Christen zu den höchst bedrängenden Fragen hörbar machen zu wollen.

Und so legten die zehn Initiatoren 20 000 Euro zusammen und nahmen das Angebot der Evangelischen Friedensgemeinde an, in ihren Räumen das Zentrum zu organisieren. Insgesamt 37 Friedensorganisationen beteiligten sich mit rund sechzig Veranstaltungen; täglich kamen gut fünfhu

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