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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2013
Fernweh trifft Wirklichkeit
Wie fair kann Tourismus sein?
Der Inhalt:

Feiert das Mahl mit jedem!

von Norbert Copray vom 28.06.2013
Ein großer Theologe verlangt die radikale Öffnung der Kirchen

Jörg Zink
Das offene Gastmahl
Gütersloher Verlagshaus. 238 Seiten. 22,99 €

Der Bedeutungsverlust der Kirche zwingt sie dazu, »sich Gedanken darüber zu machen, wie sie künftig in der Mitte der Gesellschaft leben will, um nicht an ihren Rand wegzudriften. Wie sie künftig Werte vermitteln will, die andere nicht anzubieten haben«. So intoniert Jörg Zink, der neunzigjährige evangelische Theologe und Autor, sein neues Buch.

Darin bahnt er eine Schneise zu einem neuen Grundverständnis des christlichen Mahles, das für ihn grundsätzlich zwiefältigen Charakter hat. Da gibt es das Abendmahl, abgeleitet vom letzten Abendmahl Jesu, das die Christen in Form der Eucharistie oder in manchen Gegenden als heilige Messe gewissermaßen unter ihresgleichen feiern. Und da gibt es das »offene Mahl«, das sich ableitet von den Gastmählern, die Jesus mit allen möglichen und unmöglichen Menschen seiner Zeit feierte und das sich auch im Abendmahl widerspiegelt, selbst wenn es nicht dasselbe Mahl ist. Dieses offene Mahl, zu dem jeder und jede eingeladen wird, diese »offene Vielfalt« will Zink gegen die Zäune-Errichter in beiden konfessionellen Kirchen rehabilitieren und stärken. Theologisch, biblisch, kulturell und sozial. Er kritisiert die Mauern und Abgrenzungen, die in der römisch-katholischen wie in der evangelischen Kirche aufrechterhalten werden. Für Zink haben sich die beiden Sicherungssysteme der Kirchen überlebt und ergeben in einer pluralistischen, bunten, vernetzten Gesellschaft keinen Sinn mehr. Sinn macht vielmehr, sich zu öffnen, die eigene Festung zu verlassen und die Menschen zu sich und sich zu den Menschen einzuladen. So wie es Jesus gemacht und vorgemacht hat.

Jesus lud zu einem offenen Mahl ein, vor allem diejenigen an den Hecken und Zäunen, die kein hohes Ansehen genossen, da sie arm, leidend, krank und bedürftig waren. Von diesem offenen Mahl, das höchstens mal zu Kirchentagen stattfindet, handelt Zinks Buch, um das offene Gastmahl neu zu verbreiten. Er differenziert es vom Abendmahl, das zur Stärkung, zum Trost und zur Vereinigung der Christen in Gemeinden gebraucht wird. Er charakterisiert es: Menschen da abholen, wo sie stehen, auch wenn sie mitten in der Verletztheit, der Armut, der Korruption stehen. Einladung und Zugang ohne Vorbedingungen, ganz nach der Art der Liebe Gottes im Sinne Jesu. Ein zwangloses, ein heilsames

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