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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2013
Fernweh trifft Wirklichkeit
Wie fair kann Tourismus sein?
Der Inhalt:

Ägyptens langer Arm

von Britta Baas vom 28.06.2013
Der Publizist Hamed Abdel-Samad zahlt einen hohen Preis für seine Islam-Kritik: Er wird mit
dem Tod bedroht. Eine Spurensuche im Untergrund

Mein Text kommt einen Tag früher als geplant, da ich morgen nach Kairo fliege ... Beste Grüße, Hamed Abdel-Samad.« Mit diesen Worten verabschiedete sich der 41-jährige Politologe und Publizist in einer E-Mail vom 27. Mai vor seiner Abreise nach Ägypten bei uns in der Redaktion. Er hatte einen Text für Publik-Forum geschrieben, um den wir ihn gebeten hatten: Er sollte berichten, wie es um die Zukunft der Deutschen Islamkonferenz bestellt sei, deren Mitglied er ist.

Hamed Abdel-Samad schrieb den Text – klar, meinungsstark und scharf analysierend, wie wir es von ihm gewohnt sind. Als Mitglied der Islamkonferenz des Innenministers lobt er in dem Artikel (Publik-Forum 11/2013, Seite 37) deren Errungenschaften. Diese Konferenz suche auf staatlicher Ebene Lösungen für akute Probleme: »Dabei geht es um die Ausbildung von Imamen, um islamischen Religionsunterricht und um die Abwehr von religiös fundiertem Extremismus.« Doch er sieht auch, wo die Wirkung der Konferenz begrenzt ist: Sowohl staatliche Vertreter wie Vertreter der Islamverbände seien »an eine diplomatische Sprache gebunden«. Sie müssten »Rücksicht nehmen auf bundespolitische Gegebenheiten wie auf die jeweilige Klientel der Verbände«.

Hamed Abdel-Samad ist ein Vordenker – nicht nur eines europäischen Islams, sondern auch eines neuen Verhältnisses von Staat und Religionen hierzulande. Vor seiner folgenschweren Abreise nach Ägypten schrieb er bei uns: »Die Debatte um den Islam in Deutschland wäre sinnlos, wenn dadurch nicht auch die Beziehung des Staates zu den christlichen Kirchen neu verhandelt würde. Die Lösung kann nicht sein, dass die muslimischen Gemeinden die gleichen Privilegien wie die Kirchen bekommen, sondern dass die Kirchen auf einige Privilegien verzichten. Es ist nicht religionsfeindlich, sondern religionsfreundlich zu verlangen, dass die Religionen sich aus Bereichen zurückziehen, die ideologische Neutralität erfordern – wie etwa Bildung, Medien, Gesetzgebung und Gesundheit. Nur so kann der Staat die gleiche Distanz zu allen seinen Bürgern und Interessengruppen wahren.«

Der 4. Juni, sein Schicksalstag

Der Wunsch, die deutsche Gesellschaft möge den Religionen im öffentlichen Raum weniger Einfluss zubilligen, ist im Falle Abdel-Samads geprägt von seinen Erfahrungen in einem anderen

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