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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2013
Fernweh trifft Wirklichkeit
Wie fair kann Tourismus sein?
Der Inhalt:

Sabbatbrot und koscherer Saft

von Josefine Janert vom 28.06.2013
Der Kindergarten »Am Sonnenberg« hält in Chemnitz jüdische Bräuche lebendig. Das schätzen
auch christliche und konfessionslose Familien

Das ist mein Bild!« Nathanael strahlt. »Ganz viele Kreise.« Sie leuchten gelb und rot. Gemalt hat sie der Vierjährige in seinem Kindergarten Am Sonnenberg. Neben seinem Werk hängen die Bilder der anderen Mädchen und Jungen: Samuel, Maxim, Marie, Marlene. Samuel ist Nathanaels bester Freund. Die anderen Kinder mag Nathanael auch. »Ich rede Deutsch, und Maxim redet Russisch«, sagt er. »Und Marlenes Mama, die redet auch Russisch.« Nathanael spricht Deutsch ohne Akzent und fast ohne Fehler: »Wir haben zweimal draußen ein Fest gemacht. Da war ein Trampolin. Dort haben viele Kinder gesprungen.«

Nathanaels Vater steht in der Tür, um ihn abzuholen. Viktor Krieger kam in der Sowjetunion zur Welt und mit elf Jahren nach Deutschland. Er und seine Frau Anna sind Russlanddeutsche. Die übrigen Mädchen und Jungen im Kindergarten haben russische, ukrainische und sächsische Eltern. Die Hälfte der 16 Kinder hat jüdische Wurzeln, die anderen sind Christen oder konfessionslos. Viktor und Anna Krieger gehören einer christlichen Freikirche an, den Sieben-Tags-Adventisten. Rund 190 Mitglieder hat ihre Gemeinde in Chemnitz, 15 davon sind Russlanddeutsche.

Hoffnungsschimmer für die Stadt

»Zieh dir mal die Schuhe an!«, sagt Viktor Krieger zu seinem Sohn. Die Kriegers reden sonst Russisch miteinander. Sie möchten diese Sprache »unseren Kindern schenken«, wie Viktor Krieger sagt. Die drei Geschwister sollen außerdem Deutsch lernen. Deshalb haben die Eltern die beiden Ältesten in den jüdischen Kindergarten Am Sonnenberg geschickt. Das Jüngste folgt bald. Der kleine Kindergarten ist in der Stadt bekannt dafür, dass sich die Mitarbeiterinnen besonders um die Kinder kümmern, die zu Hause kein Deutsch sprechen.

Auch für die jüdischen Traditionen, die Am Sonnenberg vermittelt werden, begeistern sich die Kriegers. »Wir Christen sollten das jüdische Gut viel mehr beachten«, sagt Viktor Krieger. Nach dem Theologiestudium in Deutschland und Österreich ist der 34-Jährige Pastor bei den Sieben-Tags-Adventisten. »Das Alte Testament und das Judentum sind die Basis für das Christentum«, erklärt er. So halten die Sieben-Tags-Adventisten auch den Sabbat ein, der den Juden als biblischer Ruhetag gilt. Ebenfalls wie die Juden folgen die Sieben-Tags-Adventisten strengen Ernährungsvorschriften. Sie berufen sich dabei auf d

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