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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2012
Heilsame Netze
Warum wir andere Menschen brauchen
Der Inhalt:

Die Vermögensbremse

Wer über Schulden spricht, darf über Reichtum nicht schweigen

Über die hohen Schulden des Staates klagen deutsche Politiker gerne. Nicht so gerne reden sie über große Vermögen. Das ist ein Problem. Denn Schulden und Vermögen sind zwei Seiten derselben Medaille. Wachsen die Schulden, dann müssen sie aus steigenden Vermögensbeständen finanziert werden. Umgekehrt will wachsender Reichtum angelegt werden – dann steigen die Schulden anderer.

Allerdings sind Vermögen und Schulden sehr ungleich verteilt. In Deutschland verbucht der wohlhabende Teil der privaten Haushalte seit 1991 einen Vermögenszuwachs von 1800 Milliarden Euro – der andere Teil der Haushalte hat mehr Schulden als Vermögen. Die Finanzinstitute steigerten ihr Vermögen seit 1991 um fast 260 Milliarden Euro, trotz Finanzkrise.

Dieser steigende Reichtum wurde zum großen Teil an drei Akteure verliehen: an Unternehmen, die ihre Investitionen mit Fremdkapital finanzieren; an Bund, Länder und Gemeinden sowie an ausländische Schuldner. Ohne deren Bereitschaft zu mehr Schulden hätten die Vermögenden viel weniger Anlage-Möglichkeiten.

Zur Herausforderung wird der Zusammenhang zwischen Schulden und Vermögen, wenn Staaten ihre Verschuldung verringern wollen. Dann nehmen die Anlagemöglichkeiten für die Vermögenden ab. Sie müssen dann im Ausland oder bei den Unternehmen neue Schuldner suchen.

Da sich niemand unbegrenzt verschulden will, werden die Geldvermögen derzeit unauffällig abgeschmolzen: Sie verlieren in Deutschland ebenso wie in den USA oder Japan an Wert, weil die Zinsen für Staatsanleihen unter der Inflationsrate liegen.

Sollten die Regierungen Europas jedoch wirklich daran denken, ihre Schulden schneller abzubauen, als dies