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Doppelmoral mit erhobenem Zeigefinger

von Bettina Röder vom 23.06.2000
Prostituierte suchten und fanden vor 25 Jahren in den Kirchen Frankreichs Schutz. In Berlin wurden sie jüngst vor die Tür gewiesen
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Als Marie-Cyrille Mathieu 20 Jahre alt war, stöckelte sie selbstbewusst im Pariser Stadtteil Montparnasse auf und ab. Das sollte sich ändern. Bald verbrachte sie als Prostituierte so manche Nacht auf dem Polizeirevier. Andere Frauen wanderten sogar ins Gefängnis. Damals noch fand die junge Marie-Cyrille nichts weiter dabei.

Ihre Kolleginnen sahen das anders. Sie wollten nicht länger rechtlos sein, demonstrierten und nahmen auch Marie-Cyrille mit. Die Frauen wurden zusammengeschlagen und suchten Schutz in der Kirche. Zwei Nächte blieben sie in der Chapel St. Bernard. Doch die eigentliche Revolution fand in diesen Tagen außerhalb von Paris statt: In der Kirche Saint-Nizier in Lyon.

Am 2. Juni 1975 besetzten 150 Prostituierte das Gotteshaus, um auf ihre katastrophale Situation hinzuweisen. Bevölkerung wie Kirchenleitung ze