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Die göttliche Unterbrechung

Über das jüdische Hawdala-Ritual am Ende des Schabbats
von Christian M. Rutishauser vom 11.06.2021
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Die tiefste Berufung des Menschen besteht darin, schöpferisch tätig zu sein. Das heißt, Leben zu gestalten und die Mitwelt zu ordnen, Dinge zu unterscheiden und in Beziehung zu setzen, sodass jedem und allem sein angemessener Platz und seine Würde zukommt. So ist der Mensch zum Partner Gottes berufen, zur imitatio Creatoris. Grundlegend ist dabei die Gestaltung von Raum und Zeit. Sie ist besonders wichtig in einer Gesellschaft, die keine gemeinsamen Ruhepausen mehr kennt, die die Nacht zum Tag macht und unter dem Druck der Globalisierung immer schneller und deregulierter geworden ist. Das erste Buch der Bibel beginnt damit, den Raum auf- und zuzuteilen, die Elemente zu scheiden, die Lebewesen zu ordnen. Am markantesten ist die Strukturierung der Zeit. Der Refrain klingt in den Ohren: »Es wurde Abend, es wurde Morgen.« Dabei folgt auf sechs Tage des schöpferischen Tuns ein Tag der Ruhe. Dieser »Tempel in der Zeit«, wie der Rabbiner und Religionsphilosoph Abraham Jehoschua Heschel (1907-1972) den Schabbat genannt hat, ist von fundamentaler Bedeutung. Durch das Anzünden von Kerzen, durch Gebete, den Segen über Brot und Wein und durch ein gemeinsames Mahl wird er empfangen. Verabschiedet wird er durch das Ritual der Hawdala.

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