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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2016
Klare Kante, neue Hoffnung
Der Katholikentag in Leipzig
Der Inhalt:

Voller Leidenschaft für andere

vom 10.06.2016
Das letzte Interview, schallendes Lachen und die ihm eigene Furchtlosigkeit: Persönliche Erinnerungen an Rupert Neudeck

Die Nachricht, dass Rupert Neudeck gestorben ist, erreicht mich am Schreibtisch, und sie trifft mich sehr: Vor wenigen Wochen erst habe ich ihm gegenübergesessen und ein langes Interview mit ihm und seiner Frau geführt! Es war ein quicklebendiges »Leib-und-Seele-Gespräch« für die Osterausgabe von Publik-Forum. Rupert und Christel Neudeck erzählten mir von ihrer gemeinsamen Lebensaufgabe im Komitee Cap Anamur, aber auch von ihrem turbulenten Familienleben, ihren inhaltlichen Auseinandersetzungen und von dem angebrannten Essen, das es häufig bei ihnen gab, weil sie keine Ruhe zum Kochen hatten. Das war Mitte März, und ich habe nicht geahnt, dass es eines der letzten Interviews war, das Rupert Neudeck gegeben hat.

Seine waghalsigen Aktionen im Chinesischen Meer und in den Krisengebieten der Welt habe ich von Anfang an verfolgt. Deshalb war es ein besonderes Gefühl, in seinem Reihenhaus in Troisdorf zu sitzen, in diesem Wohnzimmer, das jahrzehntelang die Zentrale einer weltweiten Rettungsinitiative war. Während Christel Neudeck eine geerdete und heitere Weisheit besitzt, strahlte Rupert Neudeck eine starke, ja unruhige Leidenschaft aus, sobald er auf seine Projekte und Ziele zu sprechen kam. Er schien von innen her zu brennen. Mir wurde deutlich, wie unterschiedlich die beiden waren, wie gut sich ihre Temperamente ergänzten – und wie sehr der weltweite Einsatz für die Menschlichkeit auch von der Liebe dieser beiden Menschen zueinander getragen war. Jetzt bin ich traurig. Und froh, dass ich ihnen begegnet bin.Eva-Maria Lerch

Es war immer unterhaltsam, mit Rupert Neudeck zu reisen. In Zentralafrika oder in Palästina kannten ihn nicht wenige Leute. Viele verehrten ihn. Das behagte ihm eigentlich nicht, aber als kulturell sensibler Mann ließ er es zu. Rupert Neudeck hat viel gegeben, durch die Grünhelme, die mit wenig Mitteln dringend benötigte Schulen und Kinderhäuser im tief traumatisierten Ruanda bauten. Aber er hat auch viel Liebe und Dankbarkeit zurückerhalten. »Docteur Rupert« nannten die Ruanderinnen und Ruander ihn. Und sie sagten es geradezu andächtig.

Wo es sich anbot, besuchte er morgens die Frühmesse. Ein glühender Beter. Frühes Aufstehen war für ihn kein Problem, denn abends beim Bier blieb er nie lange. Er war kein Smalltalker.

Auf sich ändernde Situatio

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