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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2016
Klare Kante, neue Hoffnung
Der Katholikentag in Leipzig
Der Inhalt:

Kicken und kucken

von Birgit Roschy vom 10.06.2016
Jetzt ist Fußball-Europameisterschaft. Und zum Glück gibt es schöne und spannende Filme für die Stunden zwischen den Spielen

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Und die Zeit dazwischen überbrückt man am besten mit einer DVD: Gerade in Filmen passt das Runde hervorragend ins Eckige. Wir sprechen hier nicht nur von nationalstolzen Helden-Hommagen wie »Deutschland. Ein Sommermärchen« (2006) und »Das Wunder von Bern« (2003). Weltweit widmen sich Regisseure der Faszination des Sports und bringen den Ball in exotischsten Klimaten ins Rollen.

Völkerverbindendes Fußballfieber ist zum Beispiel in der bhutanischen Komödie »Spiel der Götter« (1999) zu spüren, in der buddhistische Mönche vor dem WM-Endspiel 1998 in Hektik verfallen. Ein Fernseher muss organisiert, die klapprige Dachantenne nach Westen gerichtet werden. Und wenn die siegreichen Franzosen die Marseillaise anstimmen, dann salutieren auch die vor der Unterdrückung durch die Chinesen geflohenen Mönche.

Auch im Episodenfilm »Das größte Spiel der Welt« (2006) versuchen Amazonasindianer, Tuaregs und mongolische Nomaden unter widrigsten Umständen einen Blick auf das 2002er Finale Brasilien-Deutschland zu erhaschen. Selbst wenn die den Globus umspannenden Gänsehautmomente, in denen vor und auf dem Bildschirm der Jubel ausbricht, fiktiv sind, so identifiziert man sich dennoch. Film und Fußball sprechen elementare Emotionen an, in denen sich viele Menschen, ob in der Pampa vor einem betagten Schwarzweiß-Fernseher sitzend oder im Park vor der Großbildleinwand, wiedererkennen.

Fußball eignet sich auch hervorragend, um Emanzipationsgeschichten zu erzählen: Das Geschehen auf dem Rasen und drumherum erscheint als Mikrokosmos menschlichen Strebens und aktueller Konflikte, in dem sich die Protagonisten zwischen Individualität und Mannschaftsgeist, Regeln und deren Überwindung zum Tor vorarbeiten. Stets sind die Helden Underdogs oder Außenseiter, die sich, wie etwa der kleine Kicker in »Carlitos großer Traum« (2008), mit kreativen Spielzügen ihren Platz im Team erkämpfen.

Folgerichtig widmen sich viele Fußballfilme den Frauen im Abseits. Im iranischen Drama »Offside« (2006) etwa versucht sich eine Fußballnärrin mit Kappe statt Kopftuch ins Stadion zu schmuggeln – für Frauen ist das streng verboten, denn die strammen Fußballerwaden müssen vor begehrlichen weiblichen Blicken geschützt werden.

Realsatire erlebt man im Dokumentarfilm »Football Under Cover« (2006): Eine Berliner Mädchenmannschaft organisiert

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