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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2015
Rettet das Singen
Über die Macht der eigenen Stimme
Der Inhalt:

Wie viel Computer braucht die Schule?

von Ole Schulz, Barbara Tambour vom 05.06.2015
Deutsche Schüler sind bei den digitalen Kompetenzen nur Mittelmaß. Doch lernen sie mit Tablet in der Hand wirklich mehr?

Wie wichtig sind Computer in der Schule? Für Hirnforscher Manfred Spitzer liegt die Antwort auf der Hand: unwichtig und sogar schädlich. Spitzer ist überzeugt: »Kinder sollten so lange wie möglich von digitalen Medien ferngehalten werden.« Sie schadeten dem Gedächtnis, seien zur Förderung des Lernens ungeeignet und machten süchtig.

Vor einer totalen Digitalisierung des Unterrichts warnt Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes: Kinder neigten durch die neuen Medien dazu, sich nur noch Häppchen-Informationen zu holen. Vieles bleibe bei der Internetrecherche oberflächlich. »Schule braucht aber auch das Durchhaltevermögen, das Konzentra tive, das Besinnliche, das Meditative.« Das werde gefährdet, wenn Schüler sechs oder acht Unterrichtsstunden am Tag mit dem Tablet-Computer vor sich lernten.

Die beiden stehen mit ihrer Kritik ziemlich allein. Ob Unternehmer- oder Privatschulverbände, Bildungspolitiker oder Psychologen – sie alle fordern mit Nachdruck mehr Computer in den Schulen und eine bessere digitale Bildung. Schulen und Schüler in Deutschland hätten darin großen Nachholbedarf.

Denn bei den digitalen Kompetenzen sind deutsche Schüler nur Mittelmaß. Zu dieser Erkenntnis kommt die groß angelegte repräsentative »International Computer and Information Literacy Study« (ICILS). Demnach liegen Achtklässler in Deutschland bei Aufgaben zur Recherche und zum Verständnis von Informationen aus dem Internet sowie der Bedienung klassischer Computeranwendungen nur im Mittelfeld von 19 Ländern aus Europa, Asien, Australien und Südamerika.

Zu wenig Fortbildung für Lehrer

Besorgniserregend ist laut Birgit Eickelmann, der wissenschaftlichen Leiterin des deutschen Parts der ICILS-Studie, dass dreißig Prozent der deutschen Achtklässler nur über sehr geringe digitale Kenntnisse verfügen. »Wir leisten es uns derzeit, fast ein Drittel der Heranwachsenden auf dem Weg in die Wissens- und Informationsgesellschaft abzuhängen«, sagt die Professorin für Schulpädagogik an der Uni Paderborn. Benachteiligt seien vor allem Jungen aus sozial schwachen Familien.

Die Studie widerlegt auch den Mythos von den »Digital Natives«. Denn der alltägliche Umgang mit Computern und Smartphones, heutzutage in fast jedem Haushalt mit Schulkindern vorhanden, führt keinesfalls automatisch zu

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