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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2015
Rettet das Singen
Über die Macht der eigenen Stimme
Der Inhalt:

Wie lernt man loslassen?

von Markus Dobstadt vom 05.06.2015
Vorgespräch: Martin Held organisiert in Tutzing eine Tagung zur »Kunst des Aufhörens«

Publik-Forum: Herr Held, Ende Juni befassen Sie sich in Ihrer Akademie ein ganzes Wochenende mit der »Kunst des Aufhörens«. Wie kommen Sie denn dazu?

Martin Held: Wir befinden uns in einer »Nonstop-Gesellschaft«, es gibt in unserer modernen Welt eine Tendenz zur Hochgeschwindigkeit. An die Stelle des biblischen Mottos »Alles zu seiner Zeit und an seinem Ort« ist ein neues getreten: »Alles zu jeder Zeit und überall.« Das löst in vielen Menschen große Verunsicherung und sehr widersprüchliche Regungen aus. Dem wollen wir mit dieser Tagung entgegenwirken.

Worin besteht diese Widersprüchlichkeit?

Held: Wir genießen die Schnelligkeit und Machbarkeit unserer Zeit – und sind zugleich hoffnungslos überfordert. Beispiel Handy: Die Menschen freuen sich, dass sie ihr Telefon jetzt immer dabeihaben, immer und überall erreichbar sind. Zugleich wächst das Bedürfnis nach Ruhe, die Sehnsucht, endlich einmal abschalten zu können. Beispiel Online-Banking: Bankgeschäfte sind rund um die Uhr und an sieben Tagen pro Woche möglich. Da gibt es keinen Rhythmus mehr. Der Mensch ist aber ein biologisches Wesen – und braucht den Rhythmus von Tag und Nacht, Ruhe und Aktivität. Wir wollen Wege aufzeigen, solche Muster zu erkennen – und loszulassen.

Wie nähern Sie sich dem Thema bei dieser Tagung?

Held: In Vorträgen und Podien, aber auch mit Arbeitsgruppen, Kabarett, Musik und Meditation. So spricht der bekannte Philosoph Wilhelm Schmid über die Gelassenheit, die vom Loslassen kommt. Der Gründer der Gesellschaft für Zeitkultur, Manfred Molicki, beschreibt Rituale des Loslassens und Aufhörens – die wir im Anschluss selber üben können.

Was können die Teilnehmer dabei lernen?

Held: Die Dinge zu einem guten Ende zu bringen, das Berufsleben zum Beispiel. Wenn es nicht gelingt, so eine wichtige Lebensphase wirklich abzuschließen, fehlt etwas. Was man nicht loslässt, belastet einen weiter, man trägt es immer mit sich herum.

Ein Vortrag dieser Tagung beschreibt auch Erfahrungen aus der Hospizarbeit. Es geht auch um das letzte Loslassen?

Held: Ja, und nicht nur in Bezug auf das eigene Leben. Die Menschen werden

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