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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2015
Rettet das Singen
Über die Macht der eigenen Stimme
Der Inhalt:

Spötter gegen den Dschihad

von Michael Damm vom 05.06.2015
Aufgefallen: Der britische Comedian und Youtube-Star Humza Arshad ist die stärkste Waffe Londons gegen den Extremismus

Da steht er nun auf der Schulbühne. Schwarze Jeans, schwarzer Kapuzenpullover, schwarze Lederjacke, die Haare unter einer ebenfalls schwarzen Wollmütze versteckt. Auf den ersten Blick wirkt Humza Arshad nicht eben vertrauenswürdig. Doch wann immer er in einer Schule auf der Bühne loslegt, kreischen die Schülerinnen und Schüler vor Begeisterung. Denn Humza Arshad ist einer der bekanntesten britischen Comedians. Auf Youtube ist er ein Star. Sechzig Millionen haben seine Clips im Internet gesehen.

Ein Star ist er derzeit auch an britischen Schulen. Denn er setzt sein komödiantisches Talent bewusst ein, um muslimische Jugendliche vor dem Extremismus zu warnen – und dies mit viel Witz. »Wisst Ihr Dschihadisten eigentlich, dass man in der Wüste immer so trockene Fußgelenke kriegt? Ehrlich, Alter, habt ihr euch mal die Knöchel angesehen von diesen Dschihadisten? Haben die da unten keine E-45-Fettcreme.« Mit Sätzen wie diesen bringt Arshad muslimische Schülerinnen und Schüler zum Lachen. Er vermittelt ihnen auf seine Weise aber auch Selbstbewusstsein. »Hey, wie viele von euch sind Muslime?«, fragt er an einer Schule. Mehr als ein Drittel melden sich. »Okay, das reicht, wir übernehmen den Laden hier, aber ganz friedlich, wie sich das für echte Muslime gehört.«

Arshad ist das älteste von drei Kindern pakistanischer Einwanderer und seit einigen Monaten Londons schärfste Waffe im Kampf gegen die Extremisten. Er wuchs in einem Londoner Vorort auf und studierte ganz offiziell »Kunst und Performance«, bevor er seine ersten Szenen auf Youtube einspielte. Dann ging er erst einmal auf Tour. Als Comedian trat er in vielen Städten auf, oft in Theatern.

Politisch engagiert war er zunächst nicht. Doch dann lernte er den Bruder eines der drei Londoner Mädchen kennen, die im Februar dieses Jahres zur Unterstützung des »Islamischen Staates« nach Syrien gereist sind. »Das war so ein Schock für diese normale, tolle Familie, die von ihrer Tochter seither nichts mehr gehört hat und vielleicht nie mehr etwas von ihr hören wird«, erzählt Humza Arshad einer britischen Zeitung. Da habe er sich entschlossen, sich zu engagieren, um zu verhindern, dass noch mehr muslimische Jugendliche in die Fänge der Extremisten geraten. »Ich will der Welt demonstrieren, dass Muslime mit Ausnahme weniger fehlgeleiteter Individuen ganz normale Menschen sind.«

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