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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2015
Rettet das Singen
Über die Macht der eigenen Stimme
Der Inhalt:

Keine Mauer durch das Weingut

von Thomas Seiterich vom 05.06.2015
Gericht verhindert israelische Sperre, arabische Christen feiern gewaltfreien Sieg

Neun Jahre gewaltfreier Kampf, seit 2006. Unzählige Mahnwachen und Gebetstreffen im bedrohten Weinberg, durch den die bis zu acht Meter hohe Mauer der israelischen Sperranlage führen sollte. Und nun endlich ein Erfolg auf ganzer Linie vor dem Obersten Gericht in Jerusalem. Der Richter entschied gegen den Staat Israel – und für palästinensische Bauern und das Klosterweingut der Salesianer in Cremisan bei Bethlehem.

Das Oberste Gericht in Jerusalem bewertet die vom Verteidigungsministerium geplante Mauerführung als illegal. Die Armee wird verpflichtet, eine Alternativroute zu suchen, die keine Beeinträchtigung für die Bevölkerung in Cremisan darstellt. Die Sperranlage verläuft nördlich von Bethlehem, noch ist sie nicht überall fertiggestellt.

Meldungen wie diese aus dem zerrissenen Heiligen Land sind rar. Doch der Erfolg zeigt, dass im Rechtsstaat Israel gewaltfreier Protest und juristischer Widerstand nicht ohne Chancen sind.

Cremisan ist das einzige Weingut im fast zur Gänze muslimischen Palästina. Viele arabische Bauern liefern ihre Trauben an die Kellerei. Die Salesianer, die seit 1883 dort Rot- und Weißweine keltern und jungen Palästinensern verschiedene Ausbildungen ermöglichen, stehen mit ihrer Arbeit in großer biblischer Tradition. Denn ihre trockenen Weine Baladija, Dabouqy sowie Hamdany & Jandaly stammen allesamt aus örtlichen Rebsorten.

Nun kann Cremisan überleben. Der katholische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, lobt das Jerusalemer Urteil als einen »Sieg für alle« – für die Ordensleute und ihren Weinbau-Betrieb und die palästinensischen Bauern wie auch für Israel. Das Gericht habe »Sensibilität für die Bewohner des Heiligen Landes insgesamt gezeigt und ihnen Gerechtigkeit widerfahren lassen«.

Die Menschenrechtsorganisation der katholischen Kirche in Palästina, die 1991 gegründete Society of Saint Yves, und palästinensische Politiker sprechen von einem »historischen Tag«. Sie hoffen nun, dass die Armee bei einem neuen Vorschlag für den Mauerverlauf den Anliegen der Bewohner Rechnung tragen werde. Man werde jedoch nur solche Lösungen akzeptieren, bei denen die Sperranlage entweder direkt entlang der »Grünen Linie« zwischen Israel und Palästina oder auf israelischem Staatsgebiet zu stehen komme.

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