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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2014
Gebt den Kindern das Spiel zurück!
Wie fairer Fußball geht
Der Inhalt:

Zeit, sichtbar gemacht

Kino. Der Titel ist Programm: In »Boyhood« geht es um das Heranwachsen eines anfangs sechsjährigen Jungen, der am Ende des Films 18 Jahre alt ist. Das muss man ganz wörtlich nehmen, denn der Junge Mason wird von einem einzigen Schauspieler (Ellar Coltrane) verkörpert. Richard Linklater, der bereits mit der »Before-Sunrise/Sunset/Midnight«-Trilogie eine Langzeitbeobachtung über das Ver- und Entlieben eines Paares drehte, hat zwölf Jahre lang an diesem Spielfilm gebastelt.

Für das bisher einzigartige filmische Experiment trommelte Linklater jährlich ein paar Tage sein Team zusammen, um ein neues Kapitel dieser Chronik einer zeitgenössischen Jugend zu drehen. Die Stimmungsbilder aus Masons Patchworkfamilie, bestimmt von den wechselnden Lebenspartnern seiner Mutter, wurden zu einem fast dreistündigen Film montiert. Auch die Darsteller von Masons leiblichen Eltern, Patricia Arquette und Ethan Hawke, hielten dem Regisseur die Treue; Masons Schwester wird von Linklaters Tochter Lorelei gespielt.

Das Zeitkolorit, in dem die jeweilige Gegenwart gefilmt statt wie üblich nostalgisch nachempfunden wird, kommt in unaufdringlichen Details, etwa in kurzen Takten von Popsongs oder im Wechsel von iPhone und iMac zur Geltung. Irgendwann wird auch nicht mehr geraucht. Die Wirkung dieser fiktiven Biografie ist faszinierend – nicht nur, weil man im Zeitraffer die äußere Wandlung vom verträumten Bub zum eckigen, stimmbrüchigen Pubertierenden bis hin zum entschlossenen jungen Mann miterlebt. Großartig ist vor allem Link laters Montage, ein lässiger Wechsel aus vermeintlich banalen Alltagsmomenten, Minidramen und philosophisch pointierte