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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2014
Gebt den Kindern das Spiel zurück!
Wie fairer Fußball geht
Der Inhalt:

Buch des Monats: Rebellion gegen das Schicksal

von Norbert Copray vom 13.06.2014
Kunst und Religion: Zwei Sinnspender im Zwist miteinander

Jean Pierre Wils
Kunst. Religion.
Versuch über ein prekäres Verhältnis. Klöpfer & Meyer. 270 Seiten. 24 €

Neben Geld und Profit ist die Kunst heute vielfach zur Ersatzreligion geworden. Jedenfalls dann, wenn Kunstwerke als Anlage- und Renditeobjekte behandelt werden, weil sie zugleich als begehrenswerte Artefakte gelten. So gesehen sind Kapital und Kunst eine fatale Liaison eingegangen, die die Kunst meist beschädigt, einengt oder instrumentalisiert. Ein Tatbestand, der nicht wenige Künstler bekümmert.

Parallel zu dieser Entwicklung ist die jahrtausendealte Beziehung zwischen Kunst und Religion ins Prekäre abgeglitten: Sie sind nicht mehr aus sich selbst heraus verständlich, sondern müssen vielfach erklärt und kommentiert werden. Gleichwohl bleiben zwischen Kunst und Religion spannungsreiche Bezüge: Sie laden die Kunst auf und provozieren die Religion. Beide – Kunst wie Reli gion – sind im Verständnis von Jean Pierre Wils »Sinn-Spender«: »Sie haben, gewiss aus je eigener Perspektive, mit Verletzungen und Verheilungen zu tun.«

Dem, was Kunst und Religion miteinander zu tun haben, spürt der Autor in seinem Buch »Kunst. Religion.« nach. Wils, der als Professor für Politische Philosophie und Kulturphilosophie in Nijmegen tätig ist und in Deutschland lebt, erkennt in beiden – inzwischen je für sich selbst stehend – »früheste Rebellionen gegen das Schicksal«. Mit seinen »Tiefenbohrungen« zeigt Wils, »dass Kunsterleben auch heute noch in hohem Maße aus religiösen Quellen schöpft«. Daher können Kunst und Religion auch »auf Kriegsfuß« stehen, und gerade das gilt es zu verstehen.

Wils steigt mit Richard Wagner und Leo Tolstoi ein, die er beide als Herolde einer Verfallsgeschichte und Erneuerung der Menschheit ansieht. Tolstoi beklage »zwei Fehlentwicklungen: »Das Elitär-Werden der Kunst beziehungsweise ihre Entfremdung vom Volk sowie die Emanzipation des Kunstgenusses aus der ethischen Bestimmung der Kunst.« Ausgehend von dieser Feststellung bringt Wils Gegenwartsautoren mit markigen Aussagen in seinen Großessay ein, konzentriert in dem Satz von George Steiner, »große Kunst wurzele ›in einem gewagten Spiel mit der Transzendenz‹«.

In Auseinandersetzung mit Christentumskritikern wie Kurt Flasch (»Warum ich kein Christ bin«) bekennt der ehemals katholische Theologe Wils, dass er

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