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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2014
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Wie fairer Fußball geht
Der Inhalt:

»Wir weigern uns, Feinde zu sein«

von Thomas Seiterich vom 13.06.2014
Israels Armee attackiert das christliche Friedenszentrum »Zelt der Völker« in Palästina. Dessen Leiter Daoud Nassar will nicht aufgeben

Publik-Forum: Wie kam es zu der Zerstörung im christlichen Friedenszentrums »Tent of Nations« in Palästina, neun Kilometer südwestlich von Bethlehem?

Daoud Nassar: Das israelische Militär gab mir vor zwei Monaten einen Zettel. In dem Papier wurde behauptet, unsere seit vielen Jahren bestehende Obst- und Aprikosenbaumplantage mit mehr als tausend Bäumen liege auf Staatsgebiet. Dagegen hat unser Rechtsanwalt am 12. Mai bei der israelischen Militärverwaltung Widerspruch eingelegt. Der Widerspruch wurde akzeptiert. Folglich war es ein Schock, eine sehr böse Überraschung, als am 19. Mai die Armee mit Bulldozern kam, alles plattwalzte und rund tausend Obstbäume ausriss und zerstörte, ohne dass eine Gerichtsentscheidung vorlag. Die israelische Armee behauptet, sie hätte lediglich 300 Weinstöcke, Apfel- und Aprikosenbäume ausgerissen.

Viele europäische Reisende ins Heilige Land, auch Politiker und Kirchenführer, kennen als Besucher ihr Friedenszentrum »Zelt der Völker« auf dem Hügel Daher, der seit Sultans Zeiten, also seit hundert Jahren, ihrer Familie gehört. Wo genau fand die Zerstörung statt?

Nassar: Nicht oben auf dem Hügel, auf dem wir – im Gegensatz zu den fünf jüdischen Siedlungen rings um uns – keine festen Gebäude errichten dürfen und deshalb Höhlen für die Begegnungsarbeit und die Landwirtschaftsgeräte graben müssen. Plattgewalzt wurde unser Tal hinter dem Hügel. Auf der Seite, die dem palästinensischen Dorf Nahalin abgewandt ist.

Wie reagieren die Menschen in Palästina und im Ausland auf die Zerstörung?

Nassar: Viele haben sich aufgemacht und uns besucht, als Zeichen ihrer Solidarität. Vor allem Leute aus Bethlehem und dem übrigen Palästina. Außerdem setzte eine Lawine von Solidaritätsschreiben und E-Mails ein, von unseren Freunden und Besuchern aus der ganzen Welt. Für all diese Zeichen der Solidarität danke ich allen sehr herzlich. Denn diese Briefe geben uns Kraft zum Weitermachen. Und die vielen Schreiben an die Politiker schaffen so etwas wie Schutz in unserer angefochtenen Lage, die nach rein menschlichem Ermessen manchmal ausweglos zu sein scheint. Viele Menschen schrieben, dass sie für uns beten. Wunderbar! Auch das gibt mir, meiner Familie und unseren Mitstreitern hier Kraft, Ruhe und Hoffnung.

Erhiel

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