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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2014
Gebt den Kindern das Spiel zurück!
Wie fairer Fußball geht
Der Inhalt:

Spiel ohne Grenzen

von Markus Dobstadt vom 13.06.2014
Vielen Brasilianern ist der Spaß an der Fußball-WM schon vor dem Anpfiff vergangen. Doch die Fifa ignoriert ihre politische Verantwortung. Und nicht nur sie

Das dürfte eine Nummer zu groß sein, was sich die Brasilianer für die Fußball-Weltmeisterschaft vorgenommen haben. Die Spieler wollen den Pokal holen. Die Wütenden im Land mindestens ein WM-Spiel verhindern. Beim Confederations Cup im vergangenen Jahr demonstrierten Millionen gegen Korruption, Preiserhöhungen und Polizeigewalt. Präsidentin Dilma Rousseff und Fifa-Chef Sepp Blatter wurden bei der Eröffnung ausgepfiffen. Diesmal ist die Staatsmacht vorgewarnt. Sie wird alles daransetzen, dass die WM formal gelingt – und ansonsten darauf hoffen, dass die Seleção mit berauschenden Spielen den Brasilianern ihren Frust von der Seele fegt.

Die Bürger merken, dass die WM kein Fest für sie wird. Mehr als vierzig Milliarden Dollar kosteten Neu- und Umbau der Stadien, mehr als 170 000 Menschen wurden aus ihren Häusern vertrieben. Für Investitionen in Gesundheit, Schulen, Bahn und Busse fehlt das Geld, die meisten Bürger werden sich keinen Stadionbesuch leisten können. Die WM ist für die Reichen, die Armen zahlen die Zeche.

Aber nicht nur in Brasilien herrscht ein absurdes Ungleichgewicht im Sport. Der deutsche Fußball-Nationalspieler Mezut Özil etwa bekommt laut der Christlichen Initiative Romero (CIR) fast 300 000 Euro monatlich, nur weil er für adidas Werbung macht. Zugleich werden die Näherinnen von Fußballtrikots mit Hungerlöhnen abgespeist, das zeigt die CIR mit ihrer Kampagne »Play fair – pay fair!«

An der Weltmeisterschaft verdienen vor allem die Baukonzerne und die Fifa, die vermutlich bis zu fünf Milliarden Dollar einstreichen kann. Mit der WM hat sie quasi eine Gelddruckmaschine in der Tasche, die sie alle vier Jahre in einem anderen Land aufstellen kann. Dann kommen die Funktionäre, stellen Forderungen und halten die Hand auf. In ihrem Schleppnetz dürften viele Millionen Dollar für korrupte Baufirmen und Politiker hängen bleiben, doch Wohltaten für die einfachen Menschen vor Ort bringt die Fifa in der Regel nicht. Dafür scheinen sich aber Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees den Zuschlag vergolden zu lassen. Wie sonst käme die abstruse Entscheidung zustande, die Weltmeisterschaft 2022 an den Wüstenstaat Katar am Persischen Golf zu vergeben? Nicht nur wegen der Temperaturen bis zu fünfzig Grad ist das der falsche Ort. D

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