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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2014
Gebt den Kindern das Spiel zurück!
Wie fairer Fußball geht
Der Inhalt:

Krieg in der Seele

von Peter Otten vom 13.06.2014
Eugen Drewermann über jenes Chaos, das kein Papst ordnen kann

Dann tritt er auf einmal in den Altarraum, Applaus brandet auf. Das schütter gewordene Haar wie stets nach hinten gescheitelt. Bekleidet mit einer schwarzen Hose und einer dunkelblauen Windjacke, die beide einen Tick zu weit scheinen für den hageren Körper. Und einmal mehr, wie schon Tausende Male zuvor, wird Eugen Drewermann das Mikrofon in die Hand nehmen und eine Stunde lang druckreif sprechen. Allein das gibt es in der Theologenszene nicht mehr oft. Und diesmal werden knapp tausend Menschen in der Regensburger Dreieinigkeitskirche sein und zuhören.

Sein Weg vom Studentenseelsorger, Priester und Theologieprofessor zum freischaffenden – der katholischen Kirche seit knapp zehn Jahren nicht mehr angehörenden – Berater in Lebensnöten mit eigener Radiosendung und zum gefragten Vortragenden führte über die Tiefenpsychologie. Es war das christliche Dogma – die Neurose, die es zu therapieren galt.

Auch in Regensburg gilt Drewermanns Grundthese: Wenn sich die Kirche nicht für die in der Psyche verborgenen Gründe interessiert, aus denen heraus Menschen handeln, bleibt sie im Stadium reinen Moralisierens. Drewermann spricht von der Notwendigkeit einer »Veränderung der ganzen Denkanlage der Theologie«. Niemals historisierend nämlich, niemals objektivierend.

Oft spricht er vom »Mann aus Nazareth«; mit seinen Augen gelte es die biblischen Bilder zu betrachten, die sich aus den Traditionen anderer religiöser Überlieferung speisten: »Die Bilder sind die gleichen, aber sie ändern sich durch die Worte Jesu: Er spricht vom Königtum eines jeden, weil er ein Mensch ist, und sei er der unterste der Sklaven.« Und der Mensch erkennt, dass er ein König ist, indem er aus der Angst um seine eigene Nichtigkeit herausfindet »angesichts des anderen, der unverdientermaßen besser dasteht«. Dazu müsse die Kirche verhelfen: »Wann schützt die Kirche die, die noch an sie glauben?« Die Flüchtlinge von Lampedusa, die Kinder in einem ökonomisierten Schulsystem. Die Opfer des Bürgerkriegs in Syrien.

Dann zerteilt Drewermann mit seiner rechten Hand die Luft. Und die Buchstaben ploppen aus dem Lautsprecher, als er »Leopard-Panzer« sagt und »Kampf-Fighter«, sie durchbrechen für einen Augenblick den Singsang seiner Stimme. Drewermann geht es um mehr als um Barmherzigkeit: »Wem es in der eigenen Seele nicht vibriert angesichts des massenhaften Elends

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