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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2014
Gebt den Kindern das Spiel zurück!
Wie fairer Fußball geht
Der Inhalt:

Kolumne von Fabian VoGT: Katholisch kontaminiert

Waren Sie auf dem Katholikentag? Und fühlen Sie sich gerade überhaupt nicht gesund? Kopfschmerzen? Fieber? Juckt es irgendwo? Dann bin möglicherweise ich daran schuld.

Aber ganz von vorn. Mein Freund Peter rief an. Aus Regensburg, das seinem Namen zu Beginn des Katholikentags ja alle Ehre machte: Es goss nämlich in Strömen. Und vielen Katholiken stand das Wasser bis zum Hals. Peter, ein echter Scherzkeks, fragte mich also nachts um 1 Uhr, ob ich schon von dem Skandal gehört hätte: »Deutsche Bischofskonferenz von Zahnarzt-Innung bestochen.« Was, stotterte ich, wieso denn das? »Na ja, wegen des Mottos ›Mit Christus Brücken bauen‹.«

Und dann las er mir prustend seine persönliche Hitliste aus dem Programmheft vor. Platz 3: »Mit Yoga den Tag beginnen. Wach werden für Frauen.« Um 11 Uhr! Platz 2: »Auf ein stilles Örtchen. Oberpfalz trifft den Pott.« Heißt das, die Unterpfalz pinkelt vorbei? Und Platz 1: »Unser Pfarrer lernt noch Deutsch.« Was? In Bayern! Welcher Kollege kann es ihm da beibringen?

Als er endlich ausgekichert hatte, sagte er: »Morgen soll das Wetter schöner werden. Du musst auf jeden Fall vorbeischauen und das hier miterleben.« Etwas zurückhaltend erwiderte ich: »Ich wollte mir am Wochenende doch Zeit für meine Tochter nehmen.«

»Kein Problem. Die bringst du mit! Das wird ein echter Event für sie.« Nun, schon bei der Ankunft am Regensburger Bahnhof traten die ersten Probleme auf. Denn der Bus, den wir dort nehmen wollten, war so überfüllt, dass jede Legebatterie im Vergleich dazu wie ein Wellness-Center erschien. Wir ließen also die erste dieser »Fleischpressen« passieren. Doch die zweite war noch voller. An einem Fenster entdeckte ich ein Gesicht, das so gegen die Scheibe gedrückt wurde, dass es aussah wie »Der Schrei« von Edvard Munch.

In den dritten Bus kämpften wir uns dann hinein. Und dort sagte meine Tochter plötzlich: »Mir ist schlecht.« Das war mir auch, weil sich soeben eine ungeduschte Achselhöhle in mein Gesicht schob, während ich verzweifelt versuchte, in der fahrenden Sauna ein paar Sauerstoffmoleküle zu erhaschen. Ich beruhigte meine Tochter: »Das ist hier ganz natürlich.«

Zwei Stationen weiter hörte ich ihre gequälte Stimme erneut, obwohl sie hinter einigen rucksackbepackten Katholikentagsgästen aus Asien verschollen war: »Ich glaube, ich habe sogar Fieber.«

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