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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2014
Gebt den Kindern das Spiel zurück!
Wie fairer Fußball geht
Der Inhalt:

Gott des Geldes

Maria Katharina Moser über den Kapitalismus als Religion, die Stärke verehrt

Maria Katharina Moser macht einen konkreten Vorschlag zur Missionierung von Kapitalismusgläubigen: Man solle diesen Leuten doch das Bild der stillenden Gottesmutter ins Portemonnaie legen. Gott habe sich abhängig gemacht von einer Frau und sei so zur Welt gekommen. »Wir sind alle so in die Welt gekommen«, sagt sie mit diesem österreichischen Dialekt, der oft so freundlich klingt und doch auch bestimmt und hintersinnig ist. »Alle sind so in die Welt gekommen, auch die Kapitalismusgläubigen. Auch ihnen musste man die Scheiße vom Hintern wischen.« Sie sagt »Schähße« und »wieschen«, aber das klingt so gar nicht süßlich.

Moser spricht zum Thema »Kapitalismus als Religion«. Zum religiösen Weltbild, das Gott und die Menschen in ihrer Abhängigkeit wahrnehme, stehe das des Kapitalismus vom starken, unabhängigen, individualistischen Menschen im Kontrast. Vom Leistungsträger, der nichts mehr fürchten muss als das »Abhängigkeits stigma der Schwäche«.

Bereits in Kindertagen entdeckte Moser eine Schwäche an sich selbst, als ihr in ihrer Heimatpfarrei der Dienst der Ministrantin verweigert wurde. Moser hat dies vor Jahren einmal als »biografischen Knackpunkt« bezeichnet, »weil ich mich für Gott und die Kirche begeisterte und gleichzeitig bemerkte, dass etwas mit der Geschlechterfrage nicht stimmt«. Nach Abitur und Theologiestudium in Wien absolvierte die Vierzigjährige mit dem Kurzhaarschnitt ein Grundstudium der feministischen Theologie, bevor sie wiederum in Wien zum Thema »Opfer zwischen Affirmation und Ablehnung – Feministisch-ethische Analysen zu einer politischen und theologischen Kategorie« ihre Doktorarbeit schrieb. Sie wurde 2007 mit dem Gabriele-Possanner-Förderpreis ausgezeichne