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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2014
Gebt den Kindern das Spiel zurück!
Wie fairer Fußball geht
Der Inhalt:

»Gebt den Kindern das Spiel zurück!«

von Bernd Müllender vom 13.06.2014
Selbst unter den Jüngsten arten Fußballspiele mitunter zu gewalttätigen Veranstaltungen aus. Rabiate Fußballeltern machen Druck. Trainer auch. Die Fair-Play-Liga hält mit einer friedfertigen Idee dagegen

Ein frühsommerlicher Nachmittag, ein idyllischer Platz in der Eifel nahe Aachen. Ein paar 12- bis 13-jährige Jungen spielen Fußball. Der Schiedsrichter im Trainingsanzug gibt sich mit schriller Pfeife autoritär. Die beiden Vereinstrainer haben je eine Seitenlinie für sich und brüllen, dass es in den Ohren schmerzt: »Arbeiten, Jungs!«, »Weiter! Gas geben …«, »Looos! Angreifen, Druck machen …«

Als einer der jungen Fußballer sich theatralisch fallen lässt und für das vorgetäuschte Foul einen Freistoß bekommt, zwinkern sich die zuschauenden Eltern anerkennend zu: »Wenn sich von den andern keiner beschwert …« Ein anderes Mal ruft einer der Trainer seinem Schützling zu: »Drauf, angreifen! – Der kann nix!«

Darf man, muss man Kinder so aufeinanderhetzen? Was hier in Kalterherberg auf dem Platz passiert, ist noch recht harmlos. Fußball heißt: Leistung zeigen. Besser sein als die anderen. Vereinsfußball gilt als Schule der Nation. 1 875 571 Jungen und Mädchen trainieren derzeit in einer Mannschaft des Deutschen Fußballbundes (DFB). Was lernen die dort? Wird man im Klub zum Teamplayer – oder zum kleinen Mistkerl? Das komme wie bei allen Sportarten entscheidend auf die Trainer und Vereine an, sagt Ralf Klohr. »Grundsätzlich lernt man im Fußball, Teamplayer zu sein, Fairness-Freund nicht unbedingt. Schummeln ist beim Fußball nun mal normal. Und Drecksäcke gab es schon immer.«

Ralf Klohr ist ein sehr wichtiger Mann im deutschen Fußball. Obwohl ihn kaum jemand kennt. Der 51-Jährige hat die Fair-Play-Liga erfunden, unermüdlich beworben, entwickelt und verbreitet. Die Kernidee: Die angeblich unverzichtbaren Erwachsenen beim Kinderfußball stören nur. Vor allem: Keine Schiedsrichter mehr bei den Jüngsten. Auch Siebenjährige können im Spiel alles allein regeln – angeleitet, unterstützt und zurückhaltend beaufsichtigt von ihren Trainern, die sich in einer gemeinsamen Coachingzone aufzuhalten haben. Es geht um maximale Freiheit für die Kleinen, um eigenverantwortliches Lernen.

Und es soll Ruhe herrschen: Eltern haben zum Spielfeld respektvoll Abstand zu halten, mindestens 15 Meter. »Ich will Eltern in ihren Emotionen stören«, sagt Klohr. Deren Aggression, Anfeuern, Reinrufen löse oft Kettenreaktionen aus. »Dieser Zündstoff muss raus.« Stattdessen: »Liebe zum Kind braucht Abstand, Vertrauen und Zutrauen.«

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