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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2013
Götzen, Geld und die Gerechtigkeit
Was Christen heute herausfordert
Der Inhalt:

Reich werden wir nicht

von Jens Klein vom 14.06.2013
Valeria Ochoa Sevilla, 56, ist Bäuerin in Nicaragua. Sie kämpft
mit dem Kaffeepilz – und ist froh über den fairen Handel

Ich will gleich wieder raus aufs Feld, um nach meinen Kaffeesetzlingen zu schauen. Sie sind noch sehr klein und stecken im Moment in schwarzen Plastiktüten. Dass ich regelmäßig ein paar Kaffeesträucher durch neue Pflanzen ersetze, ist ganz normal. Aber dieses Jahr ist es eine andere Situation. In der vergangenen Kaffeesaison hat ein Pilz, der sogenannte Kaffeerost, in vielen Teilen Nicaraguas sein Unwesen getrieben. Auch mich hat dieser Pilz einen großen Teil meiner Ernte gekostet. In guten Jahren ernte ich mehr als 30 Zentner Kaffee, im vergangenen Jahr waren es nur 16. Das ist eine ganze Menge Geld, die mir nun fehlt.

Daher muss ich jetzt viele Setzlinge einpflanzen und noch einige Zeit warten, bis ich den ersten Kaffee von den neuen Pflanzen ernten kann. Dieses Jahr werde ich vielleicht fünf Zentner Kaffee zusammenbekommen. Mehr bestimmt nicht. Zum Glück gibt es unseren Genossenschaftsverband San Ramón und den fairen Handel. Ich weiß nicht, was ich sonst nach der schlechten Ernte gemacht hätte. Einen Kredit hätte ich bei der Bank vermutlich gar nicht oder nur zu sehr schlechten Bedingungen bekommen. Aber der Sozialfonds, der mit der Prämie aus dem fairen Handel eingerichtet wurde, hilft uns in solchen Situationen. Manchmal werden davon Wege erneuert, manchmal erkrankte Bauern unterstützt und manchmal eben Renovierungen der Kaffeefelder finanziert. Gleich dort drüben wurden mit Geld aus dem Sozialfonds und Unterstützung der Regierung für einige Mitglieder unserer Kooperative neue Häuser gebaut. Die Bewohner mussten nur einen sehr geringen Anteil selbst beisteuern. Allein hätten sie sich das nicht leisten können und müssten weiterhin in ihren baufälligen Hütten wohnen.

Ich bin jetzt 56 und arbeite im Kaffeeanbau, seitdem ich denken kann. Mein Vater hat ein Stückchen weiter den Hang hinauf Kaffee angebaut. Ich habe ihm schon als kleines Mädchen bei der Arbeit geholfen. Als nach der sandinistischen Revolution von 1979 unsere Kooperative Danilo Gonzalez gegründet wurde, haben mein Mann und ich eigenes Land bekommen. Da wir beide Mitglieder der Kooperative sind, haben wir beide jeweils 1,5 Hektar Fläche für den Kaffeeanbau und ungefähr 3,5 Hektar Land für Grundnahrungsmittel wie Mais und Bohnen. Durch den fairen Handel kommen wir seit Mitte der 1990er-Jahre ganz gut über die Runden. Hätten mein Mann und ich unseren Kaffee weiterhin zu W

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