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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2013
Götzen, Geld und die Gerechtigkeit
Was Christen heute herausfordert
Der Inhalt:

Abgerüstet

von Andrea Teupke vom 14.06.2013
Drei Schulen wollen keine Jugendoffiziere der Bundeswehr einladen. Dafür erhalten sie nun den Aachener Friedenspreis

Roger Schönrock hat eine Art Traumjob, findet er: Seine Tätigkeit ist abwechslungsreich, er trifft auf neugierige und interessierte junge Menschen und kann mit ihnen über ein Thema diskutieren, für das er sich hervorragend ausgebildet fühlt: die Sicherheitspolitik der Bundesregierung. Roger Schönrock ist Jugendoffizier der Bundeswehr. Er wird von Schulen zu Vorträgen eingeladen; bei Projektwochen sind seine mehrtägigen Planspiele sehr gefragt, und gelegentlich organisiert er auch Ausflüge. Demnächst fährt er mit einer Schulklasse zur Gedenkstätte Point Alpha. Dort, auf dem ehemaligen Nato-Stützpunkt in Sichtweite eines DDR-Grenzturms, wird er dann »den Bogen spannen vom Kalten Krieg bis zur Situation heute«.

Die »Situation heute« sieht so aus, dass mittlerweile über 6000 deutsche Soldaten im Auslandseinsatz sind, die meisten davon in Afghanistan. Über 800 sind im Kosovo stationiert. Auch in afrikanischen Ländern wie Mali, Senegal oder dem Libanon sind jeweils über hundert Bundeswehrsoldaten im Einsatz. Was sie dort tun – und ob sie dort überhaupt sein sollten –, ist in der Öffentlichkeit durchaus umstritten. Folgerichtig ist es ebenso umstritten, ob ausgerechnet die 94 Jugendoffiziere der Bundeswehr geeignet sind, sachlich und unvoreingenommen über politische Fragen aufzuklären. Wer die Auslandseinsätze ablehnt oder die Bundeswehr generell für entbehrlich hält, will konsequenterweise auch nicht, dass deren Referenten vor Schülern und Schülerinnen genau diese Politik rechtfertigen.

Die Lehrer und Lehrerinnen der Käthe-Kollwitz-Schule in Offenbach haben deshalb vor zwei Jahren folgenden Beschluss gefasst: »Die Gesamtkonferenz lehnt die Kooperationsvereinbarung zwischen dem Hessischen Kultusministerium und der Bundeswehr ab und will keine Jugendoffiziere an der Käthe-Kollwitz-Schule haben.« Am nächsten Tag übernahm die Schulkonferenz, in der neben den Lehrern auch Schüler und Eltern vertreten sind, den Beschluss und fügte folgende Begründung hinzu: »Die Bundeswehr ist keine Verteidigungsarmee mehr. Sie ist eine Armee im Einsatz und dient den Interessen der Wirtschaft. Wir wollen nicht, dass unsere Schülerinnen und Schüler für einen Krieg gegen andere Völker rekrutiert werden. Und wir wollen auch nicht, dass sich die Bundeswehr als friedensschaffende Kraft anpreisen kann. Deshalb lehnen wir es ab, dass Jugendo

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