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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2013
Götzen, Geld und die Gerechtigkeit
Was Christen heute herausfordert
Der Inhalt:

Global vernetzt und nah dran an der Basis

von Siegfried Pater vom 14.06.2013
Dirk Niebel hat den Deutschen Entwicklungsdienst begraben. Experten fordern, ihn neu zu beleben – und haben ein Konzept

Entwicklungsdienst sollte keine Einbahnstraße, sondern ein Austausch auf Augenhöhe sein. Wer ein solches Anliegen unterstützt, konnte sich Ende Mai am Werbelliner See bei Berlin mit vielen Ideen und Anregungen versorgen. Dort trafen sich 750 Rückkehrer des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED), um den fünfzigjährigen Gründungstag »ihres« DED zu feiern. Diesen Entwicklungsdienst gibt es nicht mehr. Dirk Niebel, jetziger Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, hat ihn vor zwei Jahren kurzerhand aufgelöst.

In fast fünfzig Jahren seines Bestehens hatte der DED mehr als 16 000 Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer in die Länder der Dritten Welt geschickt. Dort leisteten sie erfolgreich Hilfe zur Selbsthilfe und brachten nach der Rückkehr ihre interkulturellen Erfahrungen nach Deutschland mit. Bei seiner Gründung am 24. Juni 1963 war neben Kanzler Konrad Adenauer und Bundespräsident Heinrich Lübke auch der amerikanische Präsident John F. Kennedy anwesend. Besonders Erhard Eppler war der Dienst während seiner Zeit als Entwicklungshilfeminister eine Herzensangelegenheit, weshalb er ihn in besonderem Maße förderte. Der laut einer Umfrage beliebteste der bisherigen Minister für Entwicklungshilfe war auch bei der Berliner Tagung Ehrengast.

Der DED-Freundeskreis kritisierte die Auflösung des ehemaligen Entwicklungsdienstes auf dem Werbellin-Treffen ein weiteres Mal scharf. Das Arbeiten in den Ländern des Südens mit dem Ziel »Lernen und Helfen in Übersee« sei nach wie vor international anerkannt und notwendig. Durch seine Eingliederung in die neue Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) habe der Dienst aber »seine Identität verloren«. Davon sind auch viele aktive und ehemalige Entwicklungshelfer des DED überzeugt. Deutschland habe eine Chance vertan, qualifizierten und engagierten Menschen zu ermöglichen, sich für gerechtere Strukturen zu engagieren und internationale Kompetenz zu erwerben. Ehemalige DED-Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind sich einig: »Im Unternehmen GIZ kann ein Entwicklungsdienst nicht überleben.«

So steht Deutschland als wirtschaftliches Spitzenland in Europa ohne einen staatlichen Dienst für Entwicklungshelfer da, während die meisten anderen Länder dieses Instrument zum Dialog zwischen den Kulturen nutzen. Und das in einer Zeit, in der Deutschland ver

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