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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2012
Die Zeit des Gehorsams läuft ab
Nach dem Katholikentag
Der Inhalt:

Provokation in der Zeche

von Peter Otten vom 05.06.2012
Ausstellung in einer ehemaligen Kokerei: Benediktinerinnen geben bewegende Antworten auf Grundfragen des Lebens

Diese Ausstellung ist eine Expedition. Ein fremdes, untergegangenes Land durchmisst der, der sich der Zeche Zollverein in Essen nähert. Ein Stillleben aus Brücken, Förderbändern, Türmen aus Stahl und Beton. Ein Organismus, der seit seiner Stilllegung ausatmet.

Diese Ausstellung ist eine Expedition. Das spürt der Besucher, wenn er die Mischanlage der Kokerei Zollverein betritt. Oben kam die Kohle an, in den Bunkerräumen. Natürlich ist nichts mehr davon zu sehen. Die Kohle ist weg, aus jeder Ritze und aus jedem Winkel verschwunden. Die fleckige Massivität der Betonwände und die lichtdurchflutete Größe des Trichterraumes halten aber die Erinnerung daran wach, worum es hier einmal gegangen ist.

In einer Mischanlage wurden die unterschiedlichen Kohlequalitäten zu einer optimalen Mischung für die Verkokung vermengt. Es ging also um Energie, bestmögliche Energie. Und darum geht es immer noch. »Dieser Ort ist kein Freilichtmuseum«, sagt Kurator Fabian Lasarzik. »Eher ein authentischer Ort, der vermitteln will.«

Und da man noch eine Stiege hochklettert, dringen schon die ersten Stimmfetzen ans Ohr, und auf einmal blickt man in das Gesicht von Schwester Clara. »Wir müssen Inhalte retten, indem wir die Form aufgeben«, sagt sie. Die Benediktinerinnen aus der Abtei Mariendonk haben dem Ausstellungsprojekt zugestimmt, weil ihnen das, was sie zu sagen haben, so wichtig ist.

Und weil sie ahnen, dass das, was sie zu sagen haben, nicht mehr verstanden wird, wählten sie diesen entleerten Ort, der aus der Erinnerung an einen vergangenen Abschnitt der Industriegeschichte lebt. Es ist ein unwirtlicher Ort, der »nicht für Menschen gemacht ist« (Lasarzik) und der womöglich die bestmögliche Reflexionsfläche für existenzielle Fragen ist, die sie zeit ihres Lebens umkreisen.

Es können auch die Fragen derer werden, die nun den Antworten der Nonnen lauschen: verstört, berührt, bewegt. Stellvertretend für jene, die hier mal in der Kohle standen und deren Gedächtnis nun eingeborgen ist in den grauen, groben Beton dieser fast archaisch wirkenden Architektur. In ihrer aller Namen hat sie Thomas Henke, Professor für Neue Medien an der Fachhochschule Bielefeld, den Nonnen gestellt. Man hört im Film nur die Antworten der Frauen. Sie umgreifen die Existenz des Mensche

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