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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2012
Die Zeit des Gehorsams läuft ab
Nach dem Katholikentag
Der Inhalt:

Am Pranger

von Thomas Seiterich vom 05.06.2012
Griechenlands Kirche: In dubiose Geschäfte verstrickt

In vielen Jahrhunderten, als die Griechen keinen Staat hatten, war sie das gemeinschaftliche Rückgrat und der Hoffnungspol der unterdrückten Nation – heute ist sie privilegiert wie kaum eine zweite Institution in Griechenland: die Griechisch-orthodoxe Staatskirche.

Rund 95 Prozent aller Griechen bezeichnen sich als Christen. Von ihnen sind 97 Prozent orthodox. In vielen der 77 Bistümer, die dem Erzbischof von Athen, Hieronymus II., unterstehen, leisten derzeit Gemeinden Nothilfe mit Suppenküchen und Nahrungsspenden für Griechen, die die Wirtschaftskrise arm macht. Gespeist werden auch die Asylsuchenden. Da diese vom Staat nicht versorgt werden, drohten viele zu verhungern, gäbe es die Kirche nicht.

In der Wirtschaftskrise agiert die Athener Kirchenspitze politisch. Die Troika der EU sei »eine ausländische Besatzungsmacht«, erklärte die Kirche in Anspielung auf die nazideutschen Besatzer-Gräuel und den aktiven Widerstand, den die Griechen, zuvorderst auch die Klöster und die Kirche, gegen die Deutschen von 1941 bis 1945 geleistet hatten.

Zugleich steigt in der Krise die Kritik an den Privilegien und dem Reichtum der Orthodoxie. Sie ist zweitgrößter Grundbesitzer der Nation, muss jedoch kaum Immobiliensteuern bezahlen. Letztes Jahr versuchte der Abt des reichsten Athos-Klosters Vatopedi, für rund 100 Millionen Euro einen See zu verkaufen, der vermutlich nicht dem Kloster gehörte. Danach saß Abt Efraim in U-Haft.

In den Pangeli-Bergen nahe Athen, einer kostbaren grünen Lunge auf der wüst zersiedelten Halbinsel Attika, versucht die Kirche, einen Wald an Investoren zu verkaufen. Diese wollen rund eine Milliarde Euro in einen Solarpark investieren. Die bei den Wahlen abgestraften früheren Großparteien Nea Demokratia sowie die Sozialisten von der Pasok versuchten im Parlament bereits, Naturschutzgesetze so zu ändern, dass dieser Landverkauf möglich wird. In der Verhandlungsphase brannte der Wald drei Mal ab. Unter »ungeklärten Umständen« – wie so oft, wenn es um Grundstücksspekulation geht. Naturschützer erklären, der Wald sei für die Gesundheit der Athener weitaus wichtiger als ein Solarpark.

Die Hälfte der unbebauten Fläche der Insel Lemnos gehört einem orthodoxen Waisenhaus. Athens Erzbischof reiste b

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