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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2019
Die Kunst, den Kapitalismus zu verändern
Eine Annäherung in fünf Schritten
Der Inhalt:

Zwischen Huhn und Hitler

Buch-Tipp. Hans Traxler, Gründungsmitglied der »Neuen Frankfurter Schule«, jener legendären Gruppe von satirischen Schriftstellern und Zeichnern rund um die Zeitschriften pardon und später Titanic, hat jetzt einen Erinnerungsband mit dem Titel »Mama, warum bin ich kein Huhn?« herausgegeben. In 33 erzählten und gemalten Miniaturen führt uns der 1929 in einem böhmischen Dorf geborene Künstler durch die Welt seiner Kindheit während der Nazizeit.

Eigensinnig ist der kleine Hans, und schon früh reizen ihn Autoritäten, sei es die Kirche, sei es die Schule, zum Widerspruch. Dem Zweitklässler ist es beispielsweise zu blöd, vier auf einem Blatt vorgezeichnete Eier mit den Farben Gelb, Rot, Grün und Blau auszumalen; aus Protest malt er gleich zwei Eier rot an, was den herrischen Lehrer zur Weißglut treibt. Es wundert einen daher nicht, dass aus diesem aufmüpfigen Kind später der Mitschöpfer von »Birne« wird, der bekanntesten Karikatur von Helmut Kohl.

Je länger die nationalsozialistische Gewaltherrschaft andauert, desto weniger werden auch die böhmischen Hinterwäldler von Krieg, Zerstörung und Tod verschont. Von der Mutter kurz vor Kriegsende in den Westen zu den Großeltern geschickt, wird Hans seinen Vater nie wiedersehen. Traxlers Sinn für das Absurde ist es zu verdanken, dass ihm noch im Grauen die komischen Momente auffallen. Und so macht es seine komische Kunst möglich, dass in diesen Erinnerungen neben Schwester Benedicta, Lehrer Schubert oder der Magd Kathi auch Joseph Goebbels und Adolf Hitler auftreten – und vom Podest ihrer angemaßten Großherrlichkeit herabsteigen müssen. Es ist der staunende, also recht eigentli