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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2019
Die Kunst, den Kapitalismus zu verändern
Eine Annäherung in fünf Schritten
Der Inhalt:

Kolumne von Katharina Müller-Güldemeister: Mein SUV

Es ist so weit: Ab heute spare ich auf einen SUV. Ich halte es nämlich nicht mehr aus, Bus und Bahn mit Leuten zu teilen, die die Sitze mit ihren Taschen belegen und solange gedankenversunken aus dem Fenster schauen, bis ich vorbeigegangen bin. Wenn ich erst einen SUV habe, muss ich auch nicht mehr zugucken, wie sich das Pärchen in der Straßenbahn mir gegenüber dicklippig abknutscht. Und nicht mehr mitanhören, wie der bullige Herr im blauen Anzug am Mobiltelefon seine Mitarbeiter zur Schnecke macht. Mit einem SUV hätte ich all diese Probleme nicht. Denn SUV-Fahrern gehört die Welt.

Okay, ich müsste ein dickes, hässliches Auto fahren – aber dafür wäre ich eben nicht mehr zu übersehen. Alle anderen Verkehrsteilnehmer würden mir selbstverständlich überall Vorfahrt gewähren, ob ich sie habe oder nicht. Denn die schweren SUVs gewinnen so gut wie jeden Zweikampf, da lässt man sie im Zweifel lieber gewähren. SUV-Fahrer haben immer recht, und das macht das Leben schon sehr angenehm.

Wenn ich erst meinen SUV habe, werde ich nur noch blinken, wenn mir gerade danach ist. Deutlich öfter würde ich dagegen die Warnblinkanlage benutzen. Anders als bei herkömmlichen Autos ist die beim SUV nämlich ausschließlich dazu da, um Straßen oder Fahrradwege kurzfristig als Parkplätze zu markieren – zum Beispiel, damit der Fahrer mal schnell beim Bäcker reinspringen kann. Wer könnte es ihm verübeln? Die vorhandenen Parklücken sind nun einmal nicht dafür geeignet, dass sich Geländelimousinen umständlich hineinzwängen. Hier hat die Politik eindeutig geschlafen. Es bleibt also keine andere Wahl, als mit der zweiten Reihe vorliebzunehmen.

Ein weiterer Vorzug von SUVs ist, dass sie deutlich mehr Sprit