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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2019
Die Kunst, den Kapitalismus zu verändern
Eine Annäherung in fünf Schritten
Der Inhalt:

Nachgefragt: Kindern das Fasten verbieten?

Fragen an die muslimische Religionswissenschaftlerin Leyla Jagiella zum Ramadan

Publik-Forum: Frau Jagiella, Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) will »erzwungenes Kinderfasten« im Ramadan gesetzlich verbieten. Wie haben Sie das empfunden?

Leyla Jagiella: Schon diese reißerische Formulierung ärgert mich. Überhaupt gehen jedes Jahr zu unserem heiligsten Monat von Politik und Medien in Deutschland Diskussionen aus, die uns Muslime spüren lassen, dass wir offensichtlich keine Religion haben, sondern ein Problem. Im letzten Jahr haben wir mit dem Fasten angeblich Fußballmannschaften geschwächt, in diesem Jahr das deutsche Schulsystem.

Sie kommen gerade aus England zurück. Ist der Umgang mit Muslimen im Ramadan dort besser?

Jagiella: Auch in Großbritannien gibt es Rassismus. Aber insgesamt herrscht ein anderer Ton: Muslime werden als Vertreter einer religiösen Tradition behandelt. Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool, sagt öffentlich, er habe kein Problem damit, wenn seine Spieler fasten oder wegen des Gebets später in die Umkleide kommen, weil es Wichtigeres gebe als Fußball. In Supermärkten größerer Städte werden Angebote zum Ramadan beworben. Das ist ja aus kapitalistischer Sicht auch ziemlich clever. Aber beides wäre undenkbar in Deutschland, das würde einen Shitstorm der »besorgten Bürger« nach sich ziehen.

Und wenn Schulkinder tagsüber nicht essen und trinken?

Jagiella: Natürlich wird auch in Großbritannien über deren Gesundheit diskutiert. Aber anders. Ein Freund von mir ist Lehrer in Manchester. Wenn er Eltern bittet, ihre Kinder das Fasten für die Prüfungszeit unterbrechen zu lassen, sind die meisten einsich