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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2018
Frieden in einer irren Welt
Katholikentag 2018: Ängste, Ideen, Sehnsüchte
Der Inhalt:

Uns wird ein Licht aufgesteckt

Lesenswerte Lyrik: In seinem neuen Buch »Lichtgesang« verherrlicht Ludwig Steinherr die Sonne

Zu den Büchern, die so in meinem Regal stehen, dass ich sie gleich finde, gehören die Gedichtbände von Ludwig Steinherr. Der Münchner hat eine Doktorarbeit über die Philosophen Hegel und Quine geschrieben, seine Liebe gehört aber seit Langem der Lyrik. Schon die Titel seiner Werke wie »Ganz Ohr« oder »Flüstergalerie« rufen eigenwillige Assoziationen herauf, manche geben auch Rätsel auf, zum Beispiel »Nachtgeschichte für die Teetasse«. Es ist unendlich viel Welt in diesen Gedichtbänden: Kaum blättere ich in seinem Band »Alpenüberquerung«, da bin ich auch schon in Ostia Antica, bei einem Hostienbäcker oder tappe im Nieselregen durch Edinburgh.

Bei der Lektüre seines neuen Buches fiel mir nun eine Szene aus den griechischen Bergen ein: Wir waren bei einer Wanderung von einer Frau in ihr Haus eingeladen worden, weil es weit und breit keine andere Übernachtungsmöglichkeit gab. Am frühen Morgen weckte uns unsere Gastgeberin Kiria Buka und bat uns auf die kleine Terrasse vor dem Haus. Noch war alles im Halbdunkel, aber die Sonne musste gleich aufgehen. Nun verbeugte sich Kiria zu den ersten Sonnenstrahlen hin und murmelte einen geheimnisvollen Text, den wir nicht verstanden, aber innerlich begriffen. Sie forderte uns auf, es ihr gleichzutun, und schien zu sagen: »Dir wird ein neuer Tag geschenkt, du darfst weiter im Reich der Sonne existieren.« Eine ähnliche Haltung zeigt Ludwig Steinherr in seinem Langgedicht »Lichtgesang«: In vielen, vielen Versen erschließt er uns die Welt des Lichts neu, er breitet sämtliche Facetten zwischen gleißender Helligkeit und rabenschwarzem Dunkel aus. Hier verbündet sich ein Dichter mit den Lichtkräften, ohne das Dunkel zu leugnen; hier vertraut einer der schöpferischen Energie der Natur, ohne in I