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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2018
Frieden in einer irren Welt
Katholikentag 2018: Ängste, Ideen, Sehnsüchte
Der Inhalt:

Buch des Monats: Heimat neu verstehen

von Norbert Copray vom 25.05.2018
Wie kulturelle Identität Streit für Demokratie verlangt

Thea Dorn
deutsch, nicht dumpf
Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten. Knaus. 334 Seiten. 24 €

In ihrem Hit »No Roots« singt Alice Merton auf Englisch: »Ich hab keine Wurzeln, denn mein Zuhause befand sich nie auf (sicherem) Grund. Ich hab keinen Ursprung, denn mein Heim war nie auf der Erde. Ich hab keine Herkunft. Ich hab keine Wurzeln.« Merton, 1993 als Tochter einer Deutschen und eines Iren in Frankfurt am Main geboren, ist eine deutsche Popmusikerin, die ihre Kindheit in Kanada verbracht hat und in insgesamt vier Ländern aufwuchs. Sie lebt in Berlin und hat »keine Wurzeln«. Sie beklagt es nicht. Es ist ihre Art, in der Welt zu sein. Kann das gehen?

Merton verkörpert, was die Schriftstellerin Thea Dorn »kulturelle Identität« nennt, um so den Begriff Heimat »in Zeiten der globalen Wanderschaft« zu verstehen. Dorn will mit ihrem Buch »deutsch, nicht dumpf« die Begriffe und Worte Kultur, Identität, Heimat, Europa, Nation und Patriotismus vor den rechten Populisten, Identitären und Nationalisten retten. Mit historischem, literarischem und politischem Verstand gelingt es ihr, weder die Begriffe noch deren selbstkritische Inhalte den Rechten zu überlassen. Ein anspruchsvoller »Leitfaden für aufgeklärte Patrioten«.

Nach ihrer Eingangsfrage »Deutsche Kultur – gibt es die überhaupt?« stürzt sie sich mitten ins ideologische Getümmel zur »Leitkultur«, um nach dreißig Seiten zu resümieren: Bezogen auf unsere »Gesetzeskultur« darf es kein Laisser-faire geben. Für die Zivilgesellschaft gilt es, eine »Leitzivilität« hochzuhalten, wobei sich Politiker dazu eher zurückhalten sollten. Für die Kultur- und Bildungspolitik brauche es speziell eine Leitkultur, wenn unsere Demokratie »als reflektierte, kultivierte, liberal-zivilisierte Demokratie bestehen und nicht zur engstirnigen, engherzigen, infantil pöbelnden Volksherrschaft verkommen will«. In welcher Erscheinungsform? Das bleibt jedem selbst überlassen.

Kultur lebt von Vielfalt, Dynamik, Individualität und Gemeinschaftsbezügen. Für Dorn ist Linkssein ohne Sozialismus sympathisch. Am linken Kampf um Anerkennung sei richtig, »dass ein Mensch nur dann eine Chance hat, eine eigene Identität zu entwickeln, wenn er nicht permanent Ablehnung erfährt«. Und wir müssten unsere eigene Zerrissenheit »untereinander und später im Leben« zu etwas »versöhnen, das den Nam

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