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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2017
Die Tücken des fairen Handels
Im Norden boomt Fair Trade - im Süden wächst die Kritik
Der Inhalt:

Der Letzte Brief (Vorsicht Satire!): Sehr geehrte Frau Nahles,

mit großer Bestürzung haben wir Ihre jüngste Gesetzesänderung zur Leiharbeit in Deutschland zur Kenntnis genommen. Wir sagen Ihnen klar: Falls dieses Gesetz nicht zurückgenommen oder in absehbarer Zeit wieder geändert wird, ist die älteste Zunft, nämlich die von uns Leiharbeitgebern, vom Aussterben bedroht.

Als die Leiharbeit in Deutschland als innovative Weiterentwicklung der mittelalterlichen Leibeigenschaft von uns entwickelt wurde, haben wir mit großem Engagement unseren Berufsstand aufgebaut und konnten nach Inkrafttreten der Agenda 2010 als Unternehmer optimistisch in die Zukunft blicken.

Dabei haben wir all die Jahre ständig neue Verbesserungen für unsere Mitarbeiter geschaffen. So müssen Leiharbeiter nicht mehr eingepfercht und in Ketten gelegt in dunklen Ställen übernachten. Stattdessen stellen wir ihnen gemütliche Sechsbettzimmer mit einem Fernsehgerät zur Verfügung. Auf diese Weise können sie sich neben der Arbeit weiterbilden. Außerdem bezahlen wir sie so gut, dass sie zumindest versuchen können, zu heiraten und Familien zu gründen. Statt ständig auf die sicher tragischen Unfalltoten unter den Leiharbeitern und auf die wenigen Fälle brutalster Ausbeutung zu verweisen, könnten Sie ruhig einmal diese sozialen Fortschritte würdigen.

Wenn Sie als Arbeitsministerin nun mit Ihrem neuen Gesetz festschreiben, dass ein Leiharbeiter nicht länger als 18 Monate an die gleiche Firma ausgeliehen werden darf und sogar nach neun Monaten den gleichen Lohn wie ein Stammbeschäftigter erhalten soll, dann ruinieren Sie unsere jahrzehntelange Aufbauarbeit. Es werden dann aber auch immer weniger Menschen in den Genuss der sozialen Fortschritte kommen, die wir in den vergangenen Ja