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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2017
Die Tücken des fairen Handels
Im Norden boomt Fair Trade - im Süden wächst die Kritik
Der Inhalt:

Ein Tag in Moskau

von Bernhard Clasen vom 26.05.2017
Zu Besuch bei der Menschenrechtlerin Swetlana Gannuschkina, die sich um Geflüchtete kümmert

Swetlana, ich grüße Sie aus Aleppo«, liest Gannuschkina eine E-Mail von Fatima Madarati vor, die heute Morgen in ihrem Posteingang gelandet ist. Vor zehn Tagen war Fatima ins unsichere Kriegsland Syrien gereist. Gannuschkina berichtet nicht ohne Zorn, warum. Fatimas Mann ist in Deutschland, er hat im bayerischen Schwandorf eine Aufenthaltserlaubnis bis Januar 2019. Er hatte für seine Frau einen »Familiennachzug zu einem anerkannten Flüchtling« beantragt. Dafür musste Fatima jedoch in einer deutschen Botschaft vorsprechen. Also hatte sie sich auf den Weg nach Moskau gemacht. Dort hat sie Bekannte, bei denen sie wohnen konnte.

Doch beim Versuch, bei der deutschen Botschaft in Moskau einen Termin zu bekommen, stößt Fatima auf eine Mauer. Auch als sich die Organisation von Gannuschkina einschaltet, kommt sie nicht weiter. Sie möge sich doch an die deutsche Botschaft in der Türkei, im Libanon oder in Libyen wenden, teilt ihr ein Herr aus der Botschaft mit. Schließlich entscheidet sie sich dazu, noch vor Ablauf ihres russischen Visums nach Syrien zurückzukehren.

Gannuschkina ist außer sich. Sie hat viele Erfahrungen mit Deutschland und den Deutschen gemacht, viel Unterstützung aus diesem Land erfahren, gut mit der deutschen Botschaft zusammengearbeitet. »Ich weiß nicht, ob ich das Recht habe, es so zu formulieren, doch mir scheint, dass die Deutschen vor ihren historischen Erfahrungen eine derartige Grausamkeit nicht zulassen dürften«, sagt sie. Das nun an den Tag gelegte Verhalten der deutschen Botschaft in Moskau kann die engagierte Russin nicht nachvollziehen.

Hilferufe aus Iran und Usbekistan

Wenig später stehen drei junge Iraner vor dem Büro von Gannuschkina. Sie lachen, freuen sich, ihre Retterin wiederzusehen. Vor einigen Wochen waren sie nach einer abenteuerlichen Flucht aus dem Iran im russischen Murmansk angekommen. Ein Landsmann hatte ihnen die Adresse von Gannuschkina gegeben. Und die quartierte die drei in einer eigens für Flüchtlinge angemieteten Wohnung ein. Doch inzwischen fällt den jungen Männern das Dach auf den Kopf. Sie sitzen nur in der Wohnung herum, haben keine Arbeit, und wenn sie auf die Straße gehen, laufen sie Gefahr, von einem Polizisten angesprochen zu werden, der ihre Papiere sehen will. Da sie weder Englisch noch Russisch sprechen, müssen sie sich dann immer von einem Dolmetscher aus dem Büro von Gannusch

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