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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2014
Klaus Mertes: Was sich in der katholischen Kirche ändern muss
Der Inhalt:

Zwischen allen Stühlen

von Susanne Schmidt-Lüer vom 23.05.2014
Schwul und katholisch zugleich zu sein ist noch immer eine Herausforderung. Auch für Deutschlands älteste Gottesdienstgemeinschaft von Lesben und Schwulen in Frankfurt

Die Farben des Regenbogens schmücken einmal im Monat den hölzernen Altar der katholischen Gemeinde Maria Hilf im Frankfurter Gallus. Im Mai 1991 öffnete Pfarrer Hans-Josef Wüst zum ersten Mal seine Kirche für die Gottesdienstgemeinschaft aus Schwulen, Lesben und ihren Freundinnen und Freunden.

Leicht war das damals nicht, erinnert sich Gregor Schorberger. Der 66 Jahre alte Theologe ist einer der wenigen in der Gemeinschaft, der sein Schwulsein offen lebt und trotzdem als festangestellter kirch licher Mitarbeiter wirken konnte, und zwar in der Klinikseelsorge. »Ich hatte das Glück, dass ich von außen kam«, sagt der Mann mit dem leichten Ruhrpott-Akzent. Andere, die sich seit Jahren im »Projekt schwul + katholisch« in Maria Hilf engagieren, möchten nicht mit vollem Namen öffentlich auftreten. Und die Theologiestudenten, die die Gemeinschaft vor 23 Jahren gründeten, bekamen aufgrund ihrer Homosexualität in ihrer Kirche keinen Job.

Auch wenn sich heute vieles zum Besseren gewendet hat – gleichberechtigt sind homosexuelle Katholiken noch immer nicht. Schorberger, der über das Projekt jüngst eine Dissertation vorlegte, lässt in Interviews Gemeindemitglieder und Gäste zu Wort kommen, die Hoffnungen ebenso wie tiefe Verletzungen zur Sprache bringen. Ausgelöst von einer Kirche, die Sexualität fast ausschließlich unter dem Aspekt der Zeugung betrachtet und Homosexualität als »nicht in Ordnung« ansieht.

Nicht mehr im Keller

Pfarrer Rainer Frisch breitet seine Arme über dreizehn Männern und vier Frauen aus, die an diesem Sonntagabend im Gemeindehaus Eucharistie feiern. Er bittet um Gottes Segen für die Gemeinschaft, die sich als offen, basiskirchlich und der Befreiungstheologie verpflichtet versteht. Frisch ist einer jener Priester, die das Projekt von Anfang an unterstützten. Die Stimmung ist herzlich, die Fürbitten sind sehr persönlich, die Begrüßung durch Gottesdienst-Moderator Georg Linde fällt politisch aus: Er erinnert eindringlich an die Homosexuellen in Uganda, die um ihr Leben fürchten müssen.

Viel hat sich getan, seit Hans-Josef Wüst seinen Pfarrgemeinderat überzeugen konnte, Schwule, Lesben und ihre Freunde sollten genauso eigene Gottesdienste feiern können wie Jugendliche und andere Gruppen. Hieß es einst auf dem Gemeindetag: »Die Schwulen sind im Keller«, sind sie heute in Mar

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