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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2014
Klaus Mertes: Was sich in der katholischen Kirche ändern muss
Der Inhalt:

Was sich in der Kirche ändern muss

von Klaus Mertes SJ vom 23.05.2014
Sexuelle Gewalt, klerikales Machtgehabe, römischer Zentralismus, lebensfremde Morallehre: Die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche hat enorm gelitten, weil sie nur um sich selbst kreist. Ohne Umkehr geht es nicht

Das Vertrauen ist erschüttert. Nicht nur das Vertrauen in die Kirche, sondern auch das Vertrauen in der Kirche. In dieser Situation ist die katholische Kirche durch das Vertrauensparadox herausgefordert. Es besteht darin, dass man Vertrauen nicht wiedergewinnt, wenn es einem nur darum geht, Vertrauen wiederzugewinnen. Vertrauen gewinnt man nur zurück, wenn man mehr will, als nur Vertrauen zurückzugewinnen.

Schon das Wort »zurück« führt in die Irre. Wenn Vertrauen verloren gegangen ist, gibt es kein bloßes »Zurück« mehr. Zu den Schmerzen des Vertrauensverlustes gehört die Erfahrung der Irreversibilität des Verlustes. Die Erschütterung muss erst einmal in ihrer ganzen Dimension eingestanden und angenommen werden. »Was nicht angenommen ist, ist nicht erlöst« – wussten schon die Alten.

Der Vertrauensverlust betrifft die katholische Kirche als Ganze, bis in ihre innersten Kreise hinein. Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz sprach im Zusammenhang mit der Limburger Krise um Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst von einer innerkirchlichen »Kernschmelze«. Auch die sexuellen Missbräuche haben systemische Probleme sichtbar werden lassen, die Vertrauen nicht nur an den Rändern, sondern beim Kernpublikum der Kirche erschüttert haben. Die römische Kurie hat ihre Glaubwürdigkeit durch jahrelangen autoritären Führungsstil, Fehlentscheidungen bei der Besetzung von Bischofsstühlen, durch »Vatileaks« und andere Skandale in weiten Teilen der Kirche dramatisch eingebüßt.

Es geht um mehr als um »Kirchenkritik« im Talkshow-Sinne des Wortes, wenn man das ausspricht. Es geht um Trauer, um die Sorge aus Solidarität mit einer Kirche, deren Gestalt und Schicksal einem nicht gleichgültig ist – nicht nur in Hinblick auf die katholische Kirche im abgrenzenden Sinne des Wortes, sondern im Blick auf die Zukunft der ganzen Christenheit. Denn schon längst sitzen wir in dem einen Boot der Ökumene.

Man kann das Vertrauensparadox auch andersherum formulieren: Auch in der Vertrauenskrise ist nicht garantiert, dass die katholische Kirche aus ihrer narzisstischen Drehung um sich selbst herauskommt, die Kardinal Bergoglio in seiner Rede auf dem Konklave im März 2013 vor seiner Wahl zum Papst ansprach; vielmehr lässt sich die Thematisierung der Vertrauenskrise selbst in den Strudel der narzisstischen Drehung mit hineinnehmen und verdrehen – durch Jammern und Klagen über den V

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