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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2014
Klaus Mertes: Was sich in der katholischen Kirche ändern muss
Der Inhalt:

»Panzer helfen keinem«

von Dennis Grabowsky vom 23.05.2014
Nicht alle Russen finden die Einmischung in der Ukraine gut. Ein Stimmungsbild aus Omsk

Kein Krieg« steht auf Oxana Efimenkos Schild. Die junge Frau hat sich mit etwa zwanzig weiteren Demonstranten auf dem Theaterplatz von Omsk versammelt. Ihr Atem steigt in den kalten, blauen Himmel über der sibirischen Millionenstadt, 3000 Kilometer von der Krim entfernt. »Ich bin gegen Krieg und die Einmischung in ukrainische Angelegenheiten«, sagt sie. Die Lehrerin hatte schon befürchtet, mit ihrer Meinung allein dazustehen. Anders als die meisten hier hat Oxana einen persönlichen Bezug zum Thema: Ihr Vater ist Ukrainer, ihre Verwandten haben in Kiew die Demonstranten mit Essen versorgt.

Was die Passanten an diesem sonnigen, eiskalten Tag denken, ist kaum auszumachen. Nach ihrer Meinung befragt, bleiben viele vage oder sagen, sie interessierten sich nicht für Politik. Polizei ist auch nicht zu sehen. Nur eine Gruppe dunkel gekleideter Männer halte sich auffällig unauffällig in der Nähe auf, bedeutet Oxana. Eine Kulisse, die ihr schon vertraut sei. Ihr Mitstreiter Wassili Melnitschenko findet klare Worte: »Putin soll sofort die Soldaten abziehen.« Der 41-jährige Künstler warnt: »Unter diesem paranoiden Zaren ist Russland eine Gefahr für die ganze Welt.«

Oxana und Wassili sind mit ihrer Meinung in der Minderheit. Die Zustimmung zu Putin ist laut Umfragen zuletzt russlandweit von 40 auf 80 Prozent gestiegen, melden russische Medien. Statistiken aber wird allgemein kaum vertraut. Wie in anderen Teilen der Provinz schaut man in Omsk auf das persönliche Wohl und bewertet danach die Politik. Die Stadt hat eine militärische Tradition, noch immer gibt es hier eine Kadettenanstalt und Rüstungsindustrie. Seit die einst sprudelnden Einnahmen aus der Ölindustrie nach St. Petersburg zu Gazprom umgeleitet werden, ist die wirtschaftliche Lage schwierig.

Zuspruch für das russische Vorgehen findet man in Omsk leicht. Ekaterina Marina koordiniert das Büro einer internationalen Studentenorganisation. »Die Ukrainer und die Russen brauchen vor Ort Unterstützung, weil ihr eigener Präsident sie allein gelassen hat«, sagt die 29-Jährige.

Die Regierung präsentiere mit ihrem Konfrontationskurs Sündenböcke für die wirtschaftlichen Probleme, meint dagegen Demonstrant Wassili. Dass diese Schwierigkeiten nicht vom Ausland, sondern vom Kreml verursacht seien, verschweige die Propaganda. »Putin will in die Geschichte eingehen. Dafür nimmt er i

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