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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2014
Klaus Mertes: Was sich in der katholischen Kirche ändern muss
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: »Ich bin hier zu Hause«

von Volker Rekittke vom 23.05.2014
Die 17-jährige Palästinenserin Razan Abu-Ishira besucht eine ökumenische Schule in Ramallah und will Hotel-Managerin werden

Ich mag arabische Musik, am liebsten abgemischt von DJs. Und ich gehe gern mit meinen Freundinnen tanzen. Aber wenn ich meine Ruhe haben will, abschalten will, dann höre ich Beethoven. Wir haben viele klassische CDs zu Hause.

Ich bin in Deutschland geboren. Mein Vater hat in Koblenz als Mikrobiologe gearbeitet und ist heute noch häufig dort – manchmal besuche ich ihn auch dort. Als ich ein Jahr alt war, sind wir nach Palästina gezogen, zuerst nach Birzeit, später nach Ramallah. Kurz darauf, im Jahr 2000, brach die zweite Intifada aus. »Warum gehen wir nicht wieder nach Deutschland?«, fragte ich meine Mutter als Kind. »Das ist unser Land, unsere Kultur, unsere Sprache«, antwortete sie mir. Hier sind wir zu Hause. In Deutschland bin ich eine Fremde.«

Ich habe zwei Pässe – den palästinensischen und den deutschen – und kann deshalb ohne Probleme in viele Länder der Welt reisen. Nur nach Israel kann ich nicht so einfach. Ich brauche eine spezielle Erlaubnis, es ist für uns Palästinenser sehr schwer, die zu bekommen. Dabei sind es nur 15 Minuten mit dem Auto von Ramallah nach Jerusalem. Ich kann auf Norderney in der Nordsee schwimmen und in Kalifornien im Pazifik, aber nicht bei Tel Aviv im Mittelmeer.

Ich habe schon Tote gesehen, erschossen von israelischen Soldaten. Den Soldaten würde ich gerne sagen: Es ist nicht euer Land. Es ist unser Land. Ihr tötet unsere Leute, ihr zerstört unsere Häuser. Meiner Tante in Ostjerusalem, sie hat sechs Kinder, habt ihr das Haus dreimal zerstört. Und dann vergießt ihr Krokodilstränen. Aber wenn es nicht eure Schuld ist, wessen Schuld ist es dann? Der Unterschied zwischen euren und unseren Waffen ist so groß, die palästinensischen sind so schwach.

»Go!«, »Come!«, befehlen mir die jungen israelischen Soldaten am Checkpoint. Da ist kein Respekt, wenn sie mit mir sprechen. Ich gehe durch einen langen Gitterkäfig und fühle mich wie ein Tier. Ich hasse die Israelis nicht, ich hasse ihren Rassismus. Vielleicht die Hälfte von ihnen ist rassistisch, die andere Hälfte ist es nicht.

Ich habe kein Problem mit anderen Religionen. Meine Stiefschwester ist Christin, mein Bruder und meine Schwester sind Muslime. Hier am »Episcopal Technological and Vocational Training Center« in Ramallah sind wir Muslime und Christen. Wir sind Brüder und Schwestern. Was denkt ihr in Europa über uns Araber? Scharia, S

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