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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2013
Die Weisheit des Körpers
Wie wir lernen, unseren Gefühlen zu vertrauen
Der Inhalt:

Das schönste Ende der Welt

von Ingrid Kölle vom 31.05.2013
Deutsche Auswanderer in Neuseeland: Trotz der Erkenntnis, dass das Land,
wo Milch und Honig fließen, nirgendwo zu finden ist, gibt es viele Gründe, warum sie nicht mehr in ihre alte Heimat zurückkehren möchten

Etwa 10 000 Deutsche haben sich mittlerweile in den schönsten Ecken Neuseelands niedergelassen. Sie kamen auf der Suche nach einem neuen Leben und neuen Abenteuern, blieben nach einer langen Reise einfach hängen oder verliebten sich. Manche hatten einen Beruf, der gesucht war in Aotearoa, dem Land der langen weißen Wolke, wie die Maori, die polynesischen Ureinwohner, Neuseeland nennen. Wenn die berufliche Qualifikation stimmte, war die permanente Aufenthaltsgenehmigung problemlos zu bekommen. Bei anderen half in den meisten Fällen Geduld und Ausdauer.

»Neuseeland ist schon toll, ich wollte nicht mehr nach Deutschland gehen. Nein, mir haben’s hier wie im Paradies.« Manfred Dickgießer kommt ins Schwärmen, wenn er von seiner Wahlheimat Neuseeland spricht. Seit 18 Jahren wohnt der 56-Jährige aus Hornberg im Schwarzwald am anderen Ende der Welt. Bei strahlendem Sonnenschein beißt er an diesem Samstagvormittag in eine Wurstsemmel vom »Bratwurstgrill« in Nelson. Der Küstenort im Norden der Südinsel zählt mit seinen 45 000 Einwohnern schon zu den größeren Städten im überwiegend ländlichen Neuseeland.

Das milde Klima und Künstlerflair zieht auch Deutsche in die Gegend. Am Samstag treffen sich viele zum Bratwurstessen bei Doris Faulhaber am Stand. Die Vierzigjährige hatte in Deutschland als Verkäuferin bei einem Metzger gearbeitet. Während eines Urlaubs verliebte sie sich in ihren künftigen Mann, einen Neuseeländer oder Kiwi, wie die Einheimischen hier genannt werden. 1996 zog sie zu ihm nach Rotorua, der Stadt im Zentrum der Nordinsel mit sprudelnden Geysiren, heißen Schlammlöchern und Mineralquellen. Von ihrer alten Heimat, Oberbleichfeld bei Würzburg, ist das rund 20 000 Kilometer oder 24 Flugstunden entfernt. Im Schnellkurs lernte sie, wie man deutsche Würste macht, und verkauft sie jetzt auf Wochenendmärkten und im Versandhandel.

Die ersten deutschen Siedler kamen bereits um 1840 nach Nelson, als das Land gerade britische Kolonie geworden war. Sie legten Weingärten an und pflanzten Hopfen und Apfelbäume. Noch heute bessern sich Globetrotter hier bei der Apfel- und Traubenernte ihre Reisekasse auf. Manche kehren nie wieder in ihre Heimat zurück – so wie Reiner und Claudia Kuske. Das junge Paar kam Anfang der 1980er-Jahre hierher, um sich für die geplante Weltreise zusätzliches Geld zu verdienen. Neuseeland gefiel den beiden jedoch so gut, dass sie beantragten, das sec

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