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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2010
Rebellion auf leisen Sohlen
Der Ökumenische Kirchentag in München
Der Inhalt:

Die Schmerzen aushalten

von Peter Otten vom 28.05.2010
Die Debatte über die sexuellen Übergriffe in der Kirche zeigt: Den Opfern auf gleicher Augenhöhe zu begegnen ist nicht einfach. Und: Es muss sich einiges ändern in der Kirche

Es stimmt etwas nicht mit der Kommunikation in der Kirche. Wie wird miteinander geredet – oder eben nicht? Diese Frage ist beim Kirchentag ständig präsent. Nicht nur in den Foren, wo es um den Umgang mit Opfern sexueller Gewalt in der Kirche geht. Aber vor allem dort. So sprechen beim Hauptpodium zum Missbrauchsthema am Freitag zwar vier Kirchenvertreter und eine Ministerin, aber kein Betroffener. Eckhard Nagel, der evangelische Präsident des Kirchentages, sagt dazu später, er könne als Arzt beurteilen, wie schwierig es sei, wenn man vor einer so großen Öffentlichkeit ein Einzelschicksal präsentiere. Dabei geht es Norbert Denef – der als Kind über Jahre von einem Priester und einem Organisten missbraucht wurde und sich bei dieser Veranstaltung lautstark Gehör verschafft – genau darum nicht. Am Samstag, beim Podium der Initiative Kirche von unten zum gleichen Thema, betont er, er sei als Sprecher des Netzwerkes Betroffener hier. Und er legt den Finger in die entscheidende Wunde: »Wir wollen auf Augenhöhe mitreden.« Genau das sei sein »professioneller« Job: »Wir wollen auch für die sprechen, die noch nicht sprechen können. Wir wollen die Opfer auf ein würdevolles Tableau stellen.«

Wer wen wohin stellt, wer mit wem wann redet – und vor allem wie: Dieses grundsätzliche Kirchenproblem wird in der Frage des Umgangs mit Opfern sexueller Übergriffe exemplarisch deutlich: »Ich stehe noch mitten im Sturm«, sagt der Jesuitenpater Klaus Mertes, der als Rektor des Berliner Canisius-Kollegs den kolleginternen Missbrauch öffentlich machte und damit einen Medien-Tsunami auslöste. Mertes bekommt zusammen mit dem Theologen und Psychotherapeuten Wunibald Müller von den Zuhörern die Rolle des Hoffnungsträgers zugesprochen: Beide sprechen den erschütterten Menschen aus der Seele.

Der Vorrang der Opferperspektive sei vom Evangelium her ganz klar, doch sei diese Perspektive sehr schwer einzunehmen, so Mertes weiter: »Die Armen sind nicht die Netten! Aber in ihrer Stacheligkeit haben sie der Kirche etwas zu sagen.« Und dann sagt er noch etwas Wichtiges: »Wenn die Kirche nur zuhört und versucht, von oben herab zu helfen – dann wird sie nicht hören, was der Geist ihr heute zu sagen hat.« Da ist sie wieder: die gleiche Augenhöhe.

Dass genau dieses Sprechen und Handeln auf Augenhöhe unter den Bischöfen wohl k

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