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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2010
Rebellion auf leisen Sohlen
Der Ökumenische Kirchentag in München
Der Inhalt:

Das Kamel hat viel zu tun

von Claudia Mende vom 28.05.2010
Die Kritik am herrschenden Wirtschaften verhallte fast ungehört. Immerhin: Die Kirchen wollen ein neues Sozialwort erarbeiten

Das Kamel ist lila und spricht. Mahnende Worte hören die Besucher eines Gesprächspodiums in der Münchner Messehalle von dem bunten Tier. Es redet von fairem Teilen mit den Armen und erinnert an das biblische Wort, eher gehe ein Kamel durchs Nadelöhr, als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt. Das Wüstentier ist Symbol einer Initiative von rund achtzig Organisationen und mehr als tausend Einzelpersönlichkeiten, die vom Kirchentag eine politische Zeitansage wollten. Angesichts einer immer größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich fordern sie eine »soziale und ökologische Revolution« und einen echten »Neubeginn, der uns ein gerechtes und nachhaltiges Leben erst ermöglicht«. Zum Ökumenischen Netzwerk gehören die Hilfswerke Misereor und Brot für die Welt, Organisationen wie die katholische Friedensbewegung Pax Christi und die Katholische Arbeitnehmerbewegung KAB, aber auch attac und die Leserinitiative Publik. Das Netzwerk organisiert auf dem Kirchentag eine Gesprächsreihe mit Themen zu Fragen der globalen Gerechtigkeit, die zum größten Teil außerhalb des offiziellen Programms stattfindet.

Um den Forderungen des Netzwerks symbolischen Nachdruck zu verleihen, sind zwei Aktivisten in die Rolle des Plüsch-Trampeltiers geschlüpft. Außerdem grast zur Freude der Kinder an zwei Tagen auch ein lebendes Kamel auf dem Münchner Olympiagelände. Einige Tausend Kirchentagsbesucher unterschreiben einen Aufruf des Netzwerks, dass die beiden großen Kirchen einen breiten Diskussionsprozess über Strategien gegen die wachsende weltweite Ungerechtigkeit entfachen sollen. Am Ende könnte ein Sozialwort stehen wie jenes aus dem Jahre 1997, das nach Meinung vieler sogar zur Abwahl von Kanzler Helmut Kohl beigetragen hat.

Die Analysen über die Folgen der Finanzkrise und die wachsenden globalen Ungerechtigkeiten, auf dem Kirchentag vorgetragen von Prominenten wie dem Schweizer Autor Jean Ziegler, der amerikanischen Soziologin Saskia Sassen, dem Befreiungstheologen Jon Sobrino oder dem Jesuiten Friedhelm Hengsbach, bestreitet niemand mehr. Die offizielle Politik und die Spitzen der Kirchen zeigen sich jedoch hilflos.

Auch im offiziellen Kirchentagsprogramm ist die Finanzkrise Thema, wenngleich eher

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