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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2010
Rebellion auf leisen Sohlen
Der Ökumenische Kirchentag in München
Der Inhalt:

Der Himmel über Bayern

von Matthias Morgenroth vom 28.05.2010
Auf der Bühne dürfen auch evangelische Engel mitspielen, sagt Christian Stückl, der in diesem Jahr in Oberammergau ein ganz anderes Jesus-Bild zeigen will

Christian Stückl, wird man automatisch katholisch, wenn man in Oberammergau aufwächst?

Christian Stückl: Ich bin in einem Wirtshaus aufgewachsen, weder Vater noch Großvater hatten jemals Zeit, regelmäßig in die Kirche zu gehen. Man hat in der Früh Schweinsbraten kochen müssen. Ich selbst habe aber durch meine früh erwachte Theaterleidenschaft die Kirche als einen Raum entdeckt, der mich total inspiriert hat. Also mich hat jeder Gottesdienst inspiriert, ich habe mich als kleiner Bub am liebsten im Kirchenspeicher rumgetrieben, weil ich da die unglaublichsten Sachen gefunden habe – ich bin daher irgendwie total katholisch aufgewachsen, aber ich habe das gar nicht als katholisch empfunden. Es war selbstverständlich. Irgendwann hat meine Oma, die evangelisch war, gesagt, ich soll mal mit ihr in einen evangelischen Gottesdienst gehen – da habe ich gedacht: Meine Güte, da passiert ja gar nichts! Also, ich war damals froh, katholisch zu sein.

Und sind Sie es noch gerne?

Christian Stückl: Ich habe totales Glück gehabt: Wir hatten einen Pfarrer – ich glaube, er hat nicht gut predigen können. Aber ich habe bei ihm Narrenfreiheit gehabt. Ich habe ganz früh angefangen, Krippenspiele mit Kindern aufzuführen. Und ich durfte im Pfarrsaal machen, was ich wollte. Von daher habe ich am Anfang überhaupt keine Distanz zur Kirche aufgebaut. Ich war ganz und gar Mitglied, ich habe sogar mal einen Bibelkreis geleitet! Natürlich kommen dann irgendwann viele Fragen auf. Als ich 15 Jahre alt war, hat jemand im Ort versucht, ein neues Passionsspiel zu machen – und plötzlich habe ich entdeckt, dass der alte Text auch hinterfragt werden kann. Und dann fängst du plötzlich an, vieles an der Kirche zu hinterfragen. Und ich würde sagen, dass ich sicherlich unter den Regisseuren in Deutschland derjenige bin, der sich mit Katholizismus, Kirche und Bibel am meisten beschäftigt hat. Ich habe schon mit ganz vielen Bischöfen geratscht, und ich habe mit ihnen auch gestritten – natürlich über meine Theaterarbeit.

Meist empfinden Kirchenleute Theatermacher, die sich mit Glaube und Kirche auseinandersetzen, als provozierend. Weil dort keine Wahrheiten verkündet, sondern Fragen gestellt werden.

Christian Stückl: Kirche hat ganz schnell Angst vor Kunst. Ich habe wirklich die Erfahrung gemacht, dass viel

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