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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2010
Rebellion auf leisen Sohlen
Der Ökumenische Kirchentag in München
Der Inhalt:

Das Asbest der Zukunft

von Bernward Janzing vom 28.05.2010
Nanomaterialien erobern immer mehr Lebensbereiche – doch die gesundheitlichen und ökologischen Wirkungen sind kaum bekannt. Experten warnen

Bayersetzt auf Nano: 22 Millionen Euro hat die Bayer-Tochter Bayer MaterialScience in Leverkusen gerade in die Entwicklung und den Bau einer Anlage zur Herstellung von Kohlenstoff-Nanoröhrchen investiert. 100 000 neue Arbeitsplätze könnten in Deutschland durch die Nanotechnologie geschaffen werden, verlautete Bayer vollmundig bei der Eröffnung der Anlage im Januar und pries den Nutzen der Kohlenstoff-Nanoröhrchen: Würden sie Schiffsanstrichen beigemischt, senkten sie den Strömungswiderstand des Schiffsrumpfes und reduzierten den Kraftstoffverbrauch. Die Rotorblätter von Windkraftanlagen würden durch die als »Baytubes« verkauften Nanoröhrchen leichter und stabiler.

Das klingt alles wundervoll. Einziges Problem: Welche Risiken für die Gesundheit von Menschen und für die Umwelt von den winzig kleinen Nanopartikeln bei Herstellung, Nutzung und Entsorgung ausgehen, weiß bislang niemand genau. »Da wird die schöne neue Welt propagiert, aber es gibt bislang keine Gesetze, die die Menschen vor Nanopartikeln effektiv schützen«, sagt Claudia Baitinger vom Bund für Umwelt und Naturschutz Nordrhein-Westfalen. »Dennoch wird produziert und auf den Markt geworfen – ein Unding.« Die Unternehmen nutzen ihrer Ansicht nach diese Gesetzeslücken schamlos aus. Was sie besonders empört: Obwohl Bayer weltweit für seine »Baytubes« wirbt und im Jahr 200 Tonnen davon produzieren kann, gilt die Anlage in Leverkusen als »Versuchsbetrieb«. Ihr Bau ist lediglich vom Bauamt der Bezirksregierung Köln genehmigt worden.

In fast alle Lebensbereiche dringt die Nanotechnologie schon vor – in die Medizintechnik und Pharmazie, in die Kommunikationstechnik und den Maschinenbau, in die Chemie, Kosmetik und Lebensmittelindustrie. Brillengläser sollen durch Nanobeschichtung kratzfester, Schuhcreme glänzender, Ketchup dickflüssiger werden, Socken länger frisch bleiben.

Die hierfür eingesetzten Stoffe sind vielfältig, ebenso ihre Strukturen. Nanosubstanzen können Partikel, Fasern oder Plättchen sein. Gemein ist den Nanomaterialien lediglich eine Eigenschaft: Sie sind winzig klein und in ihrer Beschaffenheit ein Feststoff; alles andere kann variieren. Auch ihre Größe kann schwanken, und zwar zwischen 100 Nanometern und weniger als einem Nanometer – was wiederum entscheidend

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