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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2022
Zeitenwende, Zerfall und die Suche nach Sinn
Harald Welzer und Andreas Holzem über die Krise der Gegenwart
Der Inhalt:

Entscheiden statt nur beraten

vom 13.05.2022
EKD regelt die Beteiligung von Betroffenen sexualisierter Gewalt neu
(Foto: PA / DPA / Sina Schuldt)
(Foto: PA / DPA / Sina Schuldt)

Nach der Auflösung des Betroffenenbeirates vor rund einem Jahr hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ein neues Modell der Beteiligung von Betroffenen sexualisierter Gewalt angekündigt. Künftig sollen Betroffenenvertreterinnen zusammen mit Kirchenleuten in einem »Beteiligungsforum sexualisierte Gewalt« beraten und für Synode oder Kirchenkonferenz Beschlussvorlagen erarbeiten. »Vorher konnten wir nur beraten«, erklärt Nancy Janz, ehemaliges Beiratsmitglied, die auch bei dem neuen Konzept mitmacht, »jetzt kommen endlich Entscheidungsträger mit an den Tisch.« Zu den Kirchenvertretern zählen leitende Geistliche und Kirchenjuristen, die Präses der EKD-Synode, der EKD-Bevollmächtigte bei der Bundesrepublik sowie Vertreter aus Diakonie, Landeskirchen und dem Kirchenamt der EKD. Bisher sind in dem 20-köpfigen Gremium nur acht Betroffenenvertreter geplant. Trotzdem soll aber, so erklärt ein Sprecher der EKD, eine notwendige doppelte Mehrheit von Kirchen- und Betroffenenvertretern sicherstellen, dass die Betroffenen nicht überstimmt werden können.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 09/2022 vom 13.05.2022, Seite 42
Zeitenwende, Zerfall und die Suche nach Sinn
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Harald Welzer und Andreas Holzem über die Krise der Gegenwart

Es gibt aber auch Kritik an dem neuen Modell. Von den ursprünglich zwölf Beiratsmitgliedern wollen nach jetzigen Stand vier bei dem neuen Modell nicht mitmachen; eine von ihnen, Katharina Kracht, erhebt den Vorwurf, dass sie »praktisch aus dem Betroffenenbeirat rausgeschmissen« worden sei, weil sie den Prozess zur Erarbeitung der Neukonzeption kritisierte und nicht mittragen wollte. »Das macht die EKD mit kritischen Betroffenen.« Allen Mitgliedern des bisherigen Betroffenenbeirats sei die Mitwirkung an der Erarbeitung des neuen Konzepts angeboten worden, meint der Sprecher der EKD.

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Nun seien von den verbliebenen Betroffenenvertreterinnen fünf in Anstellung bei einem kirchlichen Arbeitgeber, erklärt Kracht. »Es ist absolut fragwürdig, wie die Interessen der vielen Betroffenen vertreten werden sollen, die eher Distanz zur Kirche halten – aber eben Betroffene sind«, so Kracht. Nancy Janz, die bei der Bremischen Landeskirche als Inklusionsbeauftragte angestellt ist, weist den Vorwurf zurück, deswegen weniger kritisch zu sein. Sie und die anderen Betroffenen im neuen Beteiligungsforum hätten schlimme Erfahrungen gemacht, wie mit ihnen in der Kirche umgegangen worden sei, so Janz. Deswegen wollten sie dafür sorgen, dass sich dort etwas ändere. »Wir sind nicht dazu da, es der Kirche leicht zu machen.« Die Einteilung in kirchennahe und kirchenferne Betroffene ärgert sie: Es sei für ihre Arbeit im Beteiligungsforum »nicht entscheidend, welchen Arbeitgeber wir haben, in erster Linie sind wir Betroffene von sexualisierter Gewalt innerhalb der EKD.«

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