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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2020
Arbeiten und Leben nach Corona
Was wir aus der Krise lernen können
Der Inhalt:

Wachsam und widerständig

von Wolfgang Kessler vom 15.05.2020
Meine Lehren aus der Krise

Wachsam bleiben: Es war richtig, Grundrechte zeitweise zu beschränken, um die Gesundheit der Menschen, vor allem von Risikogruppen, zu schützen. Doch solche Krisen enthalten autoritäre Versuchungen. Deshalb heißt es: wachsam bleiben, wenn Grundrechte länger als nötig eingeschränkt, Demonstrationen und Versammlungen verboten werden. Und vor allem, wenn Daten gesammelt und vernetzt werden. Freiwillig ja, zeitlich begrenzt ja – zur Überwachung, zur Diskriminierung, zur Ausgrenzung entschieden nein. Und diese Bedingungen gelten für alle Techniken, die noch entwickelt werden.

Widerständig sein: Klar, Arbeitsplätze sind wichtig. Aber: Jetzt schnell zurück auf Los, einfach so das Füllhorn über Unternehmen und Konsum ausschütten, Klimaschutz dabei als Wachstums-Hemmnis diffamieren und dann wieder volle Kraft voraus – das wäre gefährlich. Das könnte Deutschland und die Welt von der Corona-Krise nahtlos in die Klimakrise führen, die über die Jahre noch weit mehr Menschenleben kosten wird. Dagegen braucht es Widerstand.

Geld nachhaltig anlegen: In der Krise verlieren viele Geldanlagen an Wert. Doch es zeigt sich, dass faire und nachhaltige Geldanlagen deutlich weniger Verluste einfahren als die Aktien-Indexfonds, die die Finanzberater landauf, landab empfehlen. Zudem: Wer jetzt als Wohnungseigentümer die Heizung oder die Stromversorgung im eigenen Heim ökologisch modernisiert, verzeichnet künftig Gewinne – finanziell und ethisch.

Gemeinsam lernen: Natürlich gibt es Unsicherheit, Angst, Fake News, Verschwörungstheorien und profilierungssüchtige Politiker. Aber: Ich habe lange keine Kanzlerin, keine Ministerpräsidenten erlebt, die so mit sich ringen, ihre Unsicherheit eingestehen und Maßnahmen auch korrigieren wie die Anti-Corona-App. Millionen Menschen hängen an den Lippen von differenziert argumentierenden Wissenschaftlern und fallen auf Panikmache nicht herein. Solch eine lernende Gesellschaft wünsche ich mir auch in künftigen Krisen.

Konsum lokalisieren: Einkaufen in der Nachbarschaft wird gerne als dumm und teuer schlechtgeredet, doch jetzt sind sie wichtig: die Geschäfte um die Ecke, die Bäckereien, Metzgereien, die Nähereien, Buchhandlungen, Hofläden oder Apotheken. Hier vorbeischauen ist s

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