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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2020
Arbeiten und Leben nach Corona
Was wir aus der Krise lernen können
Der Inhalt:

Die Pandemie, das Leben und die Würde

vom 15.05.2020
Drei Stimmen

»Meine Angst ist begrenzt«

Lieber vorsichtig lockern – denn der Weg zurück würde fürchterlich. Aber wenn ich höre, alles andere habe vor dem Schutz von Leben zurückzutreten, dann muss ich sagen: Das ist in dieser Absolutheit nicht richtig. Grundrechte beschränken sich gegenseitig. Wenn es überhaupt einen absoluten Wert in unserem Grundgesetz gibt, dann ist das die Würde des Menschen. Die ist unantastbar. Aber sie schließt nicht aus, dass wir sterben müssen.

Der Staat muss für alle die bestmögliche gesundheitliche Versorgung gewährleisten. Aber Menschen werden weiter auch an Corona sterben. Sehen Sie: Mit allen Vorbelastungen und bei meinem Alter bin ich Hochrisikogruppe. Meine Angst ist aber begrenzt. Wir sterben alle. Und ich finde, Jüngere haben eigentlich ein viel größeres Risiko als ich. Mein natürliches Lebensende ist nämlich ein bisschen näher.

Wolfgang Schäuble
ist CDU-Politiker und Bundestagspräsident.

»Die verbrannte Hand«

Die Spannungen zwischen verschiedenen Zielen im Grundgesetz sind offensichtlich. Artikel eins sagt, die Würde des Menschen ist unantastbar. Im zweiten Artikel heißt es, jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, die Freiheit der Person ist unverletzlich.

Ich denke besonders an Menschen in Altenheimen. Mir schreiben beispielsweise Angehörige: Ich habe Angst, dass meine Mutter nicht an Covid-19 stirbt, sondern an dieser Isolation und dieser Einsamkeit, und dann dürfte ich noch nicht mal hin und ihr die Hand halten, das ist doch unwürdig.

Ich denke an Kinder, von denen wir überhaupt nicht wissen, wie sehr ihre Würde verletzt wird, um den Schutz der Gemeinschaft herzustellen. Wir erreichen sie nicht. Ich habe ein Gespräch gelesen einer Sozialarbeiterin, der das Kind bei dem Chat dann in die Kamera die verbrannte Hand zeigte. Da wird Würde schwer verletzt und da müssen wir fragen: Was ist die Güterabwägung zwischen Gesundheit, Freiheit und Würde.

Margot Käßmann
war Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.

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