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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2017
Reformation 2.0: Das wahre Erbe Martin Luthers
Der Inhalt:

Nachgefragt: Wird die Bundeswehr unterwandert ?

Michael Wolffsohn, Ex-Bundeswehr-Uni-Dozent und jüdischer Historiker

Publik-Forum: Herr Professor Wolffsohn, Sie sehen einen Zusammenhang zwischen der Abschaffung der Wehrpflicht und einer erhöhten Anfälligkeit der Bundeswehr für Rechtsextremisten. Wie begründen Sie das?

Michael Wolffsohn: Als die sogenannte allgemeine Wehrpflicht abgeschafft wurde, war sie längst nicht mehr allgemein. Nur 16 Prozent eines Jahrgangs kamen zur Bundeswehr. Die Allgemeinheit hatte sich faktisch bereits längst der Bundeswehr verweigert oder entzogen. Daraus zog die Politik die Konsequenzen. So wurde ein Vakuum geschaffen. Zu den vielen Idealisten in der Bundeswehr – sie sind immer noch in der Mehrheit – kamen vermehrt Extremisten. Die Rechte hatte den »Marsch durch die Institution« Bundeswehr angekündigt. Die Folgen sehen wir jetzt: Franco A. dürfte nur die Spitze des Eisbergs sein. Es kamen auch Islamisten. Im November 2016 wurden zwanzig enttarnt und entlassen, weitere sechzig werden observiert.

Was macht die Armee für sie so anziehend?

Wolffsohn: Die kostenlose Ausbildung an Waffen und die Nähe zu diesen. So kann man sie nämlich leichter stehlen. Der Fisch stinkt also nicht nur von oben, sondern von unten. Letztlich sind wir alle daran schuld.

Rechtsextreme in der Armee gab es auch schon zur Zeit der allgemeinen Wehrpflicht.

Wolffsohn: Ja, aber längst nicht so viele wie jetzt bekannt. Sie waren auch nicht terroristisch aktiv. Es war nicht Teil ihrer Strategie. Früher hatten sie auch mehr Konkurrenz. Heute will kaum jemand mehr zur Bundeswehr außer Idealisten, jungen Leuten, die auf dem boomenden zivilen Arbeitsmarkt nicht unterkomme