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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2016
Schwierige Schüler
Ausrasten, stören, treten: Ein Fall für die Sonderschule? Eine Lehrerin sagt Nein
Der Inhalt:

»Mütter und Väter werden benachteiligt«

von Barbara Tambour vom 13.05.2016
Bärbel Fischer aus Leutkirch macht sich stark für die Rechte von Familien. Dafür wird sie manchmal angefeindet

Ich engagiere mich für Familiengerechtigkeit, weil Familien mit Kindern in Deutschland benachteiligt werden. Gemeinsam mit anderen Eltern im Landkreis Ravensburg habe ich vor acht Jahren das Forum Familiengerechtigkeit gegründet. Ich betreue unsere Internetseite, sammele Artikel, etwa von dem früheren Sozialrichter Jürgen Borchert, und verlinke sie mit unserer Homepage. Häufig schreibe ich Leserbriefe zu Artikeln verschiedener Zeitungen.

Viele Mütter und Väter wissen leider gar nicht, wie sehr sie durch unser Sozialversicherungssystem benachteiligt werden. Die Lasten zwischen Singles und Familien sind ungerecht verteilt. Schon wenn das zweite Kind geboren wird, rutschen viele Familien unter das Existenzminimum. Ungerecht ist auch, dass alle Arbeitnehmer einen bestimmten Prozentsatz ihres Einkommens in Renten-, Arbeitslosen- und Krankenkasse einzahlen. Niemand fragt, ob der Arbeitnehmer ein Kind, fünf Kinder oder kein Kind hat. Das hält auch das Bundesverfassungsgericht für falsch und hat ja durchgesetzt, dass Menschen mit Kindern etwas weniger in die Pflegeversicherung einzahlen müssen. Denn sie ziehen die künftigen Beitragszahler groß, die Singles aber nicht.

Außerdem missachtet das Sozialgesetz die Familienarbeit – also das Sorgen füreinander und für Kinder in der Familie. Dabei ist sie doch die Voraussetzung dafür, dass der Generationenvertrag überhaupt funktioniert. Nur wenn wir Kinder bekommen und aufziehen, gibt es auch künftig Beitragszahler für die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung.

Schon als Schülerin hat es mich gewurmt, dass Familien umso ärmer sind, je mehr Kinder sie haben. Bei uns zu Hause war das so. Ich habe sechs Geschwister, und meine ganze Kindheit und Jugend über mussten meine Eltern sparen, sparen, sparen. Nie sind wir in den Urlaub gefahren. Ich fand das so ungerecht, dass ich schon als Schülerin meinen ersten Protestbrief in Sachen Familienarmut geschrieben habe: an den damaligen Kanzler Adenauer.

Manchmal werde ich belächelt, gelte als missionarisch oder renitent. Weil ich mich für Familien einsetze, bin ich auch schon als rechtsextrem beschimpft worden. Politisch engagiere ich mich für die ÖDP, weil ich deren familienpolitische Positionen teile.

Bessergestellte können die Probleme, die Familien mit geringem oder mittlerem Einkommen haben, oft nicht

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