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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2015
Das Verschwinden der Freiheit
Der Sozialpsychologe Harald Welzer über die Bedrohung durch Google ...
Der Inhalt:

Nepals Leid, Nepals Fluch

von Klemens Ludwig vom 08.05.2015
Nach dem Erdbeben im hinduistischen Himalaya-Staat: Die Katastrophe nach der Katastrophe

Seit Jahren war die Erdbeben-Katastrophe von Fachleuten angekündigt worden, wenn auch niemand den exakten Zeitpunkt vorhersagen konnte. Als es dann so weit war, offenbarte sich der nepalesische Start unvorbereitet, hilflos, überfordert; selbst nach Tagen noch unfähig, vielen Opfern Unterstützung zukommen zu lassen.

Berichte aus Nepal, wonach die Menschen vor allem auf ausländische Hilfsorganisationen hoffen, sind glaubwürdig und werden durch irritierende Nachrichten aus der Hauptstadt verstärkt: So soll es im Zoll teils zu erheblichen Verzögerungen bei der Abfertigung von Hilfslieferungen kommen. Und britische Zeitungen berichten, die nepalesische Regierung – sonst nicht gerade bekannt für ihre Effizienz und Flexibilität – habe beschlossen, dass alle Spenden über den Hilfsfonds des Premierministers abgewickelt werden müssen. Manche Hilfsorganisationen halten daraufhin Gelder zurück, weil sie die Kontrolle darüber nicht aus der Hand geben wollen.

Zudem konzentrierten sich viele staatliche Rettungsmaßnahmen – mit Blick auf den Tourismus und das internationale Ansehen – zunächst auf die Mount-Everest- Region, wo die Versorgungslage halbwegs zufriedenstellend ist. Viel dramatischer ist dagegen die Situation in den abgelegenen Gebieten und Schluchten des Kathmandu-Tals, die nur sehr langsam von Hilfstruppen erreicht wurden.

Die Hoffnungen der vom Erdbeben betroffenen einfachen Leute auf wirksame Hilfe sind zerschlagen. Also wächst die Wut auf die Regierung. Dabei sind die Menschen Kummer gewohnt, und viele haben die Hoffnung längst aufgegeben, dass »die da oben« sich um ihre Belange kümmern. In der Tat sind die Inkompetenz und das staatliche Missmanagement, das sich gerade offenbart, ein Spiegelbild der Gesellschaft.

Im Jahr 2008 keimte für kurze Zeit Hoffnung auf, als der ungeliebte hinduistische König Gyanendra freiwillig abdankte. Ein zwanzigjähriger Bürgerkrieg war beendet. Er hatte Nepal durch die Blockade wichtiger Versorgungswege und häufige Generalstreiks an den Rand des Ruins geführt. Auch der Devisenbringer Tourismus war drastisch eingebrochen. Damals wurde der Führer der Maoisten, Pushpa Kamal Dahal, bekannt als Prachanda, Ministerpräsident. Er blieb es ganze neun Monate, dann warf er das Handtuch und läutete eine Epoche der Destabilisierung ein. Der jetzige Ministerpräsident Sushil Koirala ist bin

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